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BHKWAlle Blockheizkraftwerke (BHKW) arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Mit dieser Technik wird gleichzeitig Strom durch mechanische Energie sowie Heizenergie gewonnen. Ein von einem Motor betriebener Generator erzeugt Strom, der ins Hausnetz eingespeist wird. Die bei diesem Vorgang entstehende Wärme wird zum Heizen verwendet. Lange Zeit standen BHKW nur in Leistungsgrößen zur Verfügung, die sich für Industrieanlagen oder zum Betrieb von Fernwärme-Heizkraftwerken eigneten. Seit einigen Jahren versuchen die Hersteller jedoch, auch weniger leistungsfähigere Anlagen zu vermarkten, die für Wohngebäude gedacht sind.

Ein durch die Medien bekannt gewordenes Beispiel ist die Kooperation zwischen Volkswagen und der Firma Lichtblick, die sich selbst als größten unabhängigen Anbieter von sauberer Energie bezeichnet. Die hier angebotenen BHKW waren jedoch aufgrund ihrer Auslegung eher für Mehrfamilienhäuser, Hotels oder Kindertagesstätten gedacht, sodass das Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser von dieser Technik nicht profitieren konnte. Zwischenzeitlich wurde dieses Projekt von den beiden Firmen beendet.

Einführung von Mikro-BHKW und ihre Wirtschaftlichkeit

Das hat sich mit der Einführung von Mikro-BHKW geändert. Nun können auch Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Betreiber eines kleinen Gewerbebetrieb diese Technik nutzen. Mikro-BHKW erreichen durch die Koppelung von Wärme- und Stromproduktion einen Wirkungsgrad von 90 %, der durch den direkten Verbrauch der Wärme vor Ort erreicht wird. Sie haben in der Regel eine elektrische Leistung, die zwischen 1.000 und 2.000 Watt liegt und mit der Unterstützung eines Zusatzbrenners eine Heizenergie von etwa 20 kW erreichen. Interessant ist hier vor allem, dass ein Mikro-BHKW Strom erzeugt und so die Kosten für konventionell erzeugten Strom sehr gering gehalten werden können. Dabei gehen Experten davon aus, dass mit einem Mikro-BHKW mit einer entsprechenden Vorplanung zwischen 30 und 40 % der Energiekosten gespart werden können. Daher sollte vor einer Kaufentscheidung ein Blick auf den bisherigen Stromverbrauch geworfen werden: Das Mikro-BHKW lässt sich tatsächlich nur dann wirtschaftlich betreiben, wenn es einen sehr großen Anteil des benötigten Stroms liefert. Fachleute raten daher, dass eine solche Anlage 3.500 bis 5.000 Stunden jährlich laufen muss. Diese Werte entsprechen einer Betriebsdauer von etwa sechs Monaten pro Jahr - dabei ist die Rede vom tatsächlichen Betrieb und nicht von Stand-by-Phasen, wie sie bei Gas- oder Ölheizungsanlagen bekannt sind. Diese Werte werden von einem durchschnittlichen Haushalt nicht erreicht, da hierfür ein durchgehend hoher Wärmebedarf nötig wäre. Das ist aber zumindest in den Sommermonaten nicht der Fall. Daher gilt: Anlagen, deren elektrische Leistung unter 1.000 Watt beträgt, haben auch unter Einberechnung der Förderung nach dem KWK-Gesetz pro Jahr deutlich höhere Kosten als z. B. eine vergleichbare Heizungsanlage, die mit Erdgas betrieben wird.

Wie auch für kleinere Haushalte eine bessere Wirtschaftlichkeit eines BHKW erreicht werden kann:

Hier gilt das Prinzip: Die Masse macht's. Ein Mikro-BHKW ist auch in einer kleineren und weniger leistungsfähigen Variante in der Lage, mehrere Haushalte mit Heizwärme und Strom zu versorgen. Der Eigentümer hat die Möglichkeit, einen Teil des von seiner Anlage erzeugten Stroms an seine Nachbarn gegen ein Entgelt weiterzugeben. Von einem solchen Geschäft würden beide Seiten profitieren: Der Anlageneigentümer erhielte zusätzlich zu der staatlichen Vergütung für den erzeugten Strom von seinem Nachbarn eine weitere Vergütung; der Nachbar könnte auf diese Weise Strom beziehen, der immer noch preisgünstiger ist als die vom Stromkonzern gelieferte Energie.

Der Anschaffungspreis, ein großes Hindernis hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit
Die Kosten für ein Mikro-BHKW liegen derzeit zwischen 10.000 und 20.000 Euro und damit doppelt so hoch wie die für eine konventionelle, mit fossiler Energie arbeitende Heizungsanlage. Auch für die Wartung müssen höhere Kosten veranschlagt werden.

Förderung der Mikro-BHKW-Anlagen

Mikro-BHKW werden wie alle anderen KWK-Anlagen auch staatlich gefördert. Hierfür ist das Kraft-Wärmekopplungs-Gesetz (KWK-Gesetz) maßgeblich, aus dem der Förderungsumfang hervorgeht: Betreiber von Anlagen mit einer Leistung bis 50 kW  erhalten derzeit für den Zeitraum von zehn Jahren von den Netzbetreibern 5,41 Cent pro selbst geförderter Kilowattstunde Strom, und zwar unabhängig davon, ob dieser Strom ins Netz eingespeist oder selbst verbraucht worden ist. Für den eingespeisten Strom wird ein weiterer Zuschlag gezahlt, der sich an den Preisen der Leipziger Strombörse EEX ausrichtet. Da die Kurse sehr schwanken, können hier nur Beispiele genannt werden: Im Januar 2013 betrug der Strompreis dort rd. 5 Cent/kWh, im Juni durchschnittlich noch 2,8 Cent/kWh. Gefördert werden alle Anlagen, die bis 2020 ihren Betrieb aufnehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Mikro-BHKW in einem Neu- oder einem Bestandsbau installiert wird.
Darüber hinaus haben die Netzbetreiber die Verpflichtung, dem Anlagenbetreiber diejenigen Kosten zu erstatten, die entstanden wären, wenn die Menge des produzierten Stroms nicht dezentral erzeugt, sondern über Hochspannungsleitungen zum Verbraucher transportiert worden wäre. Wie hoch dieser "Streckenausgleich" sein muss, ist bislang allerdings nicht gesetzlich geregelt. Die meisten Netzbetreiber zahlen daher den BHKW-Betreibern weniger als einen Cent pro Kilowattstunde.
Aus diesen drei Bausteinen ergibt sich derzeit eine Fördersumme von knapp neun Cent pro Kilowattstunde. Da die Stromkosten bei einem konventionellen Strombezug durchschnittlich etwa 24 Cent/kWh betragen, raten Experten, so viel wie möglich des selbst erzeugten Stroms selbst zu nutzen oder zu verkaufen und die ins Netz eingespeiste Menge gering zu halten.
Nach einem vorübergehenden Förderstopp unterstützt die Bundesregierung seit April 2012 wieder im begrenzten Umfang die Installation von Mikro-BHKW. Die Anlagen dürfen eine Leistung von max. 20 kW/h erbringen, müssen in bestehende Ein- oder Zweifamilienhäuser eingebaut werden und müssen mit einem Wärmespeicher mit einem Energiegehalt von mindestens 6,9 kWh zusammenarbeiten. Alle weiteren Voraussetzngen ergeben sich aus dem Punkt 5 "Voraussetzungen für die Förderung von KWK-Anlagen" der "Richtlinien zur Förderung von KWK-Anlagen bis 20 kWel" vom 17.1.2012 (s. a.http://www.bafa.de/bafa/de/energie/kraft_waerme_kopplung/mini_kwk_anlagen/vorschriften/rili_minikwk.pdf). Werden alle diese Kriterien erfüllt, können Hauseigentümer mit einem Förderbetrag zwischen 50 und 1.500 Euro je kWel rechnen, deren Staffelung vom Leistungsbereich der Anlage abhängt. Diese Förderbeträge werden für alle Anträge, die ab dem 1.1.2014 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingehen, jährlich um 5 % gesenkt.

Was sollte vor der Anschaffung eines Mikro-BHKW beachtet werden?

Zunächst stellt sich eine grundsätzliche Frage, wenn der erwartete Stromverbrauch so hoch ist, dass eine günstige Wirtschaftlichkeit der Anlage anzunehmen ist: Gibt es Wege, den Stromverbrauch effektiv zu senken? Verbraucht beispielsweise ein 4-köpfiger Haushalt jährlich 8.000 kW/h anstatt der hier üblichen 4.000 kW/h Strom, ist es sinnvoller, den Stromverbrauch zu senken, als über die Anschaffung eines BHKW nachzudenken.

In technischer Hinsicht muss sich in erster Linie das betreffende Gebäude für den Betrieb eines Mikro-BHKW eignen. Hier kommt es vor allem auf die ausreichende Größe des Heizungsraums, die Verlegemöglichkeiten für die Versorgungsleitungen, die Voraussetzungen für die Installation an die vorhandenen Wasser- und Heizungsleitungen, die Möglichkeiten der Vermarktung von Wärme und Strom sowie das Vorhandensein einer zentralen Versorgung mit Warmwasser an.

Davon raten Fachleute ab:

  • Contracting
    Dahinter verbirgt sich ein bestimmtes Geschäftsmodell: Die Anlage gehört einem anderen Betreiber, der sich um ihre Montage und Wartung kümmert, und der Hausbesitzer stellt nur seinen Kellerraum hierfür zur Verfügung. Dieses Modell rechnet sich in den meisten Fällen nicht für den Hausbesitzer, da er zwar für den in seinem Haus hergestellten Strom einen verbilligten Tarif erhält, der jedoch nur ca. 10 % unter den üblichen Stromgebühren liegt. Kauft und betreibt er die Anlage jedoch selbst und verkauft die erzeugte Energie weiter, sind Einsparungen in Höhe von 30 bis 40 % vorstellbar.
  • Paralleler Betrieb eines "kannibalisierenden" Systems
    Hauseigentümer, die bereits eine Solaranlage mit Solarthermie betreiben, sollten von der Anschaffung eines Mikro-BHKW Abstand nehmen. Wie bereits erläutert, muss es mindestens die Hälfte des Jahres durchgehend laufen, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen. Das ist jedoch im Sommerhalbjahr nicht realistisch: Da dann die Solaranlage die Wärme bereitstellt, wird das Mikro-BHKW hierfür nicht benötigt und so dessen Laufzeit reduziert.

Wird ein BHKW für eine noch geringere elektrische Leistung angeboten?

Unterhalb des Mikro-BHKW hat sich seit 2010 das sog. Nano-BHKW etabliert, das eine elektrische Leistung bis max. 2,5 kW erbringt. Es ist für Einfamilien- bis Dreifamilienhäuser geeignet. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebs dieser Kleinanlagen wird zurzeit noch durch ihre Anschaffungskosten erschwert, die etwa auf dem Niveau eines Mikro-BHKW liegen.

 

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