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PassivhausSeit gut dreißig Jahren wird in Deutschland energiesparend gebaut. Die Erfahrungen, die auf diesem Gebiet gemacht wurden, kommen dem Bau von Passivhäusern und damit der Umwelt zugute. Die jährlich steigende Zahl der Passivhäuser zeigt, dass dieser Haustyp zunehmend an Akzeptanz gewinnt.

Was der Begriff Passivhaus bedeutet

Der Wortteil "passiv" meint keineswegs, dass Bewohner dieses Haustyps nicht aktiv darin leben dürfen. Vielmehr bezieht er sich auf die Art der Energieverwaltung: Die Kühlung im Sommer und Wärmeerzeugung im Winter werden in diesem Gebäudetyp passiv erzeugt. Passivhäuser machen sich bereits vorhandene Wärme zunutze, ohne außerdem noch wertvolle Energie unnötig zu verschwenden. Dabei ist zu beachten, dass sie im Vergleich zu Altbauten von vergleichbarer Größe, bei gleichem Standort und mit derselben Ausrichtung zwischen 75 und 90 Prozent weniger Energie verbrauchen. Wir werden noch genauer darauf eingehen und beschreiben, wie diese extrem hohen Einsparungen im Einzelnen überhaupt ermöglicht werden.

Wann ist ein Haus ein Passivhaus?

Ein Passivhaus darf sich erst dann so nennen, wenn es jährlich weniger als 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter verbraucht, pro Jahr 120 Kilowattstunden pro Quadratmeter Fläche für Primärenergie im Falle der anfallenden Restheizung (Warmwasser, Lüftung und Strom) nicht überschreitet und bei einem Luftdruck von 50 Pascal einen kleineren natürlichen Luftwechsel als 0.6 pro Stunde aufweist.

Vorgaben für den Hausbau als Passivhaus

Trotz seiner Besonderheit bei der Wärmegewinnung hat das Passivhaus sehr ähnliche Vorgaben wie andere Energiesparhäuser. Die verbesserte Wärmedämmung in Passivhäusern sorgt im Winter für höhere Innentemperaturen als im Sommer. Eine Kühlung durch eine Klimaanlage ist wegen der hervorragenden Dämmung der Gebäudehülle zu vernachlässigen. Altbekannte Schwachstellen in der Dämmung wie z. B. die Fenster werden durch Dreifachverglasung, luftdichten Einbau und  Wärmeschutzrahmen zu zusätzlichen Verstärkern der Gebäudehülle. (Siehe auch www.niedrigenergiehaus-bauen.de.)

Passivhäuser müssen luftdicht gebaut sein. Luftdichtheit wird mit dem Blower-Door-Test geprüft. Das heißt, es wird die sogenannte Gesamt-Leckage gemessen, bei Bedarf werden noch bestehende undichte Stellen nachgedichtet. Bekannte Probleme von Altbauten wie Schimmel oder Taubildung sind beim Passivhaus faktisch ausgeschlossen, da Schwachstellen wie Wärmebrücken beim fugenfreien Bau vermieden werden. Auch dies kann mittels Thermografie, die als ergänzendes Werkzeug zum Blower-Door-Test herangezogen werden kann, überprüft werden. Bei der Thermografie werden mit einer Infrarot-Kamera Aufnahmen des Gebäudes gemacht. Durch Farben werden die Temperaturen der Fassade auf dem Wärmebild dargestellt. Wärmebrücken zwischen Innen- und Außenbauteilen können so visualisiert und anschließend ausgebessert werden.

Die Fenster im Passivhaus

Wie bei allen anderen Bauelementen des Passivhauses unterliegen auch die Fenster strengen Richtlinien und Vorschriften, denn nur, wenn auch diese Schwachstelle optimal geschützt ist, kann das Passivhaus die Wärme im Inneren perfekt speichern und auf aktive Heizenergie verzichten. Passivhausfenster zeichnen sich durch ihre spezielle Bauweise aus: Sie bestehen aus drei Glasscheiben, die jeweils hauchdünn mit Metall überzogen und in den Zwischenräumen mit Edelgas gefüllt sind. So können zwar Licht und Wärme durch das Fenster nach innen dringen, die Wärme kann jedoch nicht mehr entweichen und ist so im Haus gespeichert. Diese perfekte Wärmedämmung sorgt dafür, dass sich die Fenster auch bei den kältesten Temperaturen von innen ganz warm anfühlen und sogar im Winter die Wärme optimal gespeichert werden kann.

Was ein Passivhaus von einem Nullenergiehaus unterscheidet

Nah verwandt mit den Passivhäusern sind die Nullenergiehäuser. Die Grenze ist dabei fließend. Der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Haustyp ist der absolute Energieverbrauch, der sich bei Nullenergiehäusern im Idealfall mit der Energieproduktion genau die Waage hält. Passivhäuser verbrauchen im Durchschnitt immer noch einen, wenn auch im Vergleich zu früheren Bauten, sehr geringen Anteil mehr Energie als sie einsparen. Falls dieser Anteil auf ein absolutes Gleichgewicht von Energieproduktion und -verbrauch reduziert werden kann, erhält ein Passivhaus eine offizielle "Beförderung" in den Rang einer energiesparenderen Kategorie.

Passivhaus und Raumklima

Eine unbestreitbare Tatsache ist, dass das Raumklima in Passivhäusern sehr angenehm ist. Dies ist der Nutzbarmachung der verschiedenen Wärmequellen zu verdanken, die sich im Haus befinden. Dazu gehören die Körperwärme der Bewohner, die Abwärme sämtlicher elektrischer Geräte (besonders der Küchengroßgeräte und der Computer) sowie die Sonneneinstrahlung durch die großen Fensterflächen im Süden. Bei dieser Wärmequelle gilt es besonders zu beachten, dass durch richtige Vermessung, die vor dem Hausbau stattfinden muss, eine Verschattung durch Bäume oder andere Gebäude, unbedingt ausgeschlossen werden muss. Später anfallende Kosten durch Verschattung sind nicht unerheblich.

 

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