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NullenergiehausDas Nullenergiehaus ist ein weiterer Schritt zu einer möglichst großen Unahängigkeit von fossilen Energieträgern.

Wann ein Haus ein Nullenergiehaus ist

Ein Nullenergiehaus übertrifft noch die sehr guten energetischen Werte eines Passivhauses und kann damit als dessen Steigerung angesehen werden.

Doch woin besteht diese Verbesserung?

Ein Nullenergiehaus verbraucht nur so viel Energie, wie es selbst produziert. Nullenergie bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch nicht, dass dieser Haustyp gar keine Energie mehr verbraucht; damit ist vielmehr gemeint, dass diese Art von Gebäude keine Energiezufuhr durch ein zentrales Heizsystem benötigt. Die benötigte Energie für Strom, Warmwasser und Heizung wird autark produziert.

Technisch betrachtet baut ein Nullenergiehaus auf den Anforderungen auf, die an ein Passivhaus gestellt werden:
Die Gebäudedämmung und die Lüftung werden nach den zunächst gleichen Standards konzipiert, bei der Ausstattung eines Nullenergiehauses wird der Fokus jedoch noch stärker auf die Vermeidung von Wärmeverlusten ausgerichtet. Wärme, die darüber hinaus benötigt wird, wird durch eine Solarthermie-Anlage bereitgestellt. Für die Elektrizitätsversorgung des Hauses sorgt eine Photovoltaik-Anlage, die, sofern nötig, neben der "klassischen" Stromversorgung auch die erforderliche Energie für die Warmwasserbereitung zur Verfügung stellt.

Hin und wieder wird jedoch Kritik laut, die sich in erster Linie auf die aufwändige Bauweise von Nullenergiehäusern bezieht:
Da mehr Anstrengungen unternommen werden müssen, um den hohen Anspruch an diese Hausform zu erfüllen, entstehen höhere Baukosten und ein gesteigerter Energieverbrauch als bei der Errichtung eines Passivhauses. Dieser Einwand ist, sofern er nur auf den Hausbau bezogen wird, sicher richtig. Aber hier verhält es sich wie bei allen anderen Investitionen, die im Zusammenhang mit der Errichtung oder Sanierung eines Gebäudes getätigt werden: Sie zahlen sich im Laufe der Zeit aus. Bei einem Nullenergiehaus gehen Fachleute jedoch davon aus, dass sich dieser Nachteil bereits nach 12 Jahren ausgeglichen hat.

Eigenschaften der Nullenergiehäuser

Der ehrgeizige Anspruch, möglichst nur selbstproduzierte Energie zu verbrauchen, wird im Besonderen durch mehrere verschiedene intelligente Eigenschaften erzielt.

Nullenergiehäuser vereinen in sich idealerweise folgende bauliche Maßnahmen:

  1. Sowohl die Gebäudehülle als auch die Bodenplatten sollen beim Nullenergiehaus eine bestmögliche Isolierung durch Superdämmung erreichen, also absolut dicht sein.
  2. Eine professionelle Vermessung des Gebäudes ist unbedingt erforderlich. Beim Nullenergiehaus bietet es sich an, große Fensterflächen nach Süden oder Westen auszurichten, um die Wärmeeinstrahlung durch die Sonne optimal zu nutzen und  unnötige Wärmeverluste so gering wie möglich zu halten.
  3. Die Fensterflächen sollten zusätzlich durch besondere Eigenschaften vor Wärmeverlust geschützt werden. Nur eine Dreifachverglasung sowie wärmegeschützte Spezialrahmen gewährleisten die benötigte Isolierung.
  4. Das Dach sollte beim Nullenergiehaus an der Süd- und Westseite ausgerichtet sein, da die Dächer der Niedrigenergiehäuser mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden.
  5. Ein Nullenergiehaus wird möglichst kubusförmig gebaut. Durch die kompakte Bauweise der Nullenergiehäuser ist gewährleistet, dass Schwachstellen in der Isolierung durch Vorsprünge und Erker ausgeschlossen sind. Zu einer kompakten Bauweise gehört auch, dass das Verhältnis der Oberfläche des Hauses zum gesamten Hausvolumen gering ist. Je geringer die Oberfläche im Vergleich zum Hausvolumen, umso weniger kann die Energie aus dem Gebäude abstrahlen.
  6. Auch die Nutzung von Regenwasser und die Verwendung von Wasserspar-Armaturen kann von einem Nullenergiehaus erwartet werden.
  7. Bei besonders gut konzipierten Häusern kann der zuviel erzeugte Strom mithilfe von Hochleistungsbatterien für die "Betankung" von Gartengeräten oder Elektrofahrzeugen genutzt werden.

Es ist selbstverständlich, dass die ausgeführten Bauarbeiten absolut fugenfrei erfolgen müssen.

Heizen und Lüften im Nullenergiehaus

Der Bedarf an Heizwärme beim Nullenergiehaus ist, verglichen mit einem Altbau, durch die moderne Dämmung der Gebäudehülle möglichst gering. Durch Lüften wird in Altbauten viel Energie zwangsläufig verschwendet. Um solchen Energieverlust in Nullenergiehäusern zu vermeiden, werden Anlagen zur Lüftung verbaut. Spezielle Lüftungsanlagen dieser Art heißen Komfortlüftung. Mit ihnen wird den warmen Räumen im Haus durchweg die verbrauchte Luft entzogen und mit einem Wärmetauscher an die Frischluft nach außen hin abgegeben. Ebenfalls durch den Wärmetauscher wird frische Luft in die Innenräume des Hauses geholt. Ein Erdwärmetauscher reguliert zu kalte Außenluft, indem er sie für die Innenräume vorwärmt. Restlicher Bedarf an Energie wird mit einer Kombination aus einer Wärmepumpe und einer Solaranlage gedeckt. Selbige wird auch dafür genutzt, die Wärmepumpe zu betreiben.

Da die Anforderungen an den Hausbau besonders im Hinblick auf den Energieverbrauch immer strenger werden, ist es ratsam, schon heute den Hausbau als Nullenergiehaus zu erwägen. Spätere Sanierungen sind zwar möglich, jedoch ist es schonender für den Geldbeutel, bereits jetzt an die zukünftig erforderlichen Richtlinien zu denken.

Was ein Nullenergiehaus vom Passivhaus unterscheidet

Nullenergiehäuser sind nicht zu verwechseln mit  Passivhäusern. Während Passivhäuser unter Umständen zusätzliche Energie benötigen, halten sich  Energieerzeugung und Energieverbrauch in Nullenergiehäusern rechnerisch die Waage. Somit ergibt sich der Umstand, dass Nullenergiehäuser faktisch auch Passivhäuser sind, aber im umgekehrten Fall ein Passivhaus nicht gleichzeitig ein Nullenergiehaus. Allerdings gibt es keinen fest definierten Nullenergiehaus-Standard, auf den sich Bauherren verlassen könnten: Da er von den Hausbaufirmen unterschiedlich definiert wird, hilft auch hier nur die gründliche Information, bevor es zum Abschluss eines Bauvertrags kommt.

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