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HybridhausDie meisten Menschen, die auf den Begriff „Hybridhaus“ angesprochen werden, können damit nichts anfangen. Das muss jedoch nicht daran liegen, dass sie sich nicht für Häuser interessieren; für diese Unkenntnis ist in den meisten Fällen die uneinheitliche Benutzung dieses Worts verantwortlich. Vielen ist da schon eher das Hybridauto geläufig: Es spart Energie, in dem es einen Verbrennungsmotor mit einem Stromspeicher kombiniert. Und genau darum geht es, wenn von „hybrid“ die Rede ist: Um das Zusammenspiel von zwei verschiedenartigen Komponenten.

Was macht ein Hybridhaus aus?

Doch was genau ist unter einem Hybridhaus zu verstehen? Wie bei manchen anderen Begriffen aus dem Bauwesen auch, gibt es auch hierfür keine eindeutige Definition. Auch die Bezeichnung eines Mischgebäudes als Hybridhaus, das zum Wohnen und Arbeiten genutzt wird und im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2011 in Hamburg gezeigt wurde, trägt eher zur weiteren Verwirrung bei.
Grundsätzlich kann jedoch davon ausgegangen werden, dass es sich bei einem Hybridhaus um eine Variante eines sehr energiesparenden Gebäudes handelt. Die meisten Fachleute verstehen darunter die Kombination aus mindestens zwei Technologien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, die für eine völlig eigenständige und nachhaltige Versorgung mit Warmwasser und Energie sorgen sollen. Auch die Art der Kombination dieser Technologien ist in der Praxis uneinheitlich. Die meisten Baufirmen greifen jedoch auf das Zusammenspiel von Photovoltaik und Erdwärme zurück. Das Hauptargument der Hausbaufirmen, das Kunden von einem Hybridhausüberzeugen soll, sind jedoch die Verbrauchskosten, die für die Energieversorgung des gesamten Gebäudes entstehen: keine!
Zahlreiche Bauunternehmen verbinden mit diesem Haustyp auch den Anspruch, dass der CO2-Ausstoß nach Möglichkeit vermieden werden soll. Sie setzen daher ausschließlich Wärmepumpen und Solaranlagen für die Hausversorgung ein und verzichten auf Pelletheizungen.

Die Weiterentwicklung des Hybridhauses

Selbstverständlich ist jedem Ingenieur, der sich mit der Entwicklung von Hybridhäusern beschäftigt, klar, dass es allein mit dem Zusammenspiel von zwei Technologien nicht getan sein kann. Es muss in Zeiten der sich verknappenden Rohstoffe und steigender Energiepreise vielmehr darum gehen, sich von fossilen Energieträgern zu lösen und die Kosten, die für sie zum Heizen und der Bereitstellung von Warmwasser aufgewendet werden, so gering wie möglich zu halten. Das wird auch mit dem Konzept eines Hybridhauses angestrebt. Doch der Ehrgeiz geht noch weiter: Immer häufiger wird zusätzlich der Anspruch an Hybridhäuser gestellt, auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit eine Vorbildfunktion einzunehmen. Deshalb wird beispielsweise schon bei der Auswahl der geeigneten Baustoffe darauf geachtet, dass sie recycelbar sind und aus der näheren Umgebung der Baustelle stammen. So kann eine durchgehend sehr gute Umwelt- und Energiebilanz erreicht werden.

Seriosität der Hybridhaus-Angebote

Wie bei jedem anderen Angebot auch sollte genau hingesehen werden, wie die Baukosten kalkuliert wurden: Auch wenn mit dem Hybridhaus als einem energetisch hochwertigen Gebäudetyp geworben wurde, bedeutet das nicht, dass das vorgelegte Angebot auch sämtliche Leistungen enthält, die diesen Anspruch erfüllen. Oft werden wichtige Bestandteile wie beispielsweise die Dach- und Fassadendämmung „vergessen“. Auch der schlichte Hinweis, das Haus erfülle die Vorgaben, um in einem der KfW-Förderprogramme berücksichtigt zu werden, ist nichts wert, wenn nicht ausgeführt wird, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Wie aufwändig die Ausstattung eines energetisch hochwertigen Hauses ist, haben wir bereits auf "Energiesparhaus bauen" erläutert.

Durch den hohen Aufwand, der nötig ist, um ein Hybridhaus zu bauen, entstehen auch hohe Kosten. Baufirmen werben jedoch damit, dass sich diese Kosten durch die vielen Vorteile dieses Hauses bereits mittelfristig amortisieren. Um diese Behauptung zu untermauern, wird gern mit den Einnahmen argumentiert, die mit der Einspeisung des selbst erzeugten Stroms gemäß des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) in das öffentliche Stromnetz erzielt werden können. Doch wer diese Aussagen aufmerksam liest wird feststellen, dass zahlreiche Bauunternehmen mit völlig veralteten Zahlen hantieren: Sie führen diejenige  Höhe der  Einspeisevergütung an, die 2011 und 2012 gezahlt, seitdem jedoch kontinuierlich abgesenkt wurde. Zum Vergleich: Für Anlagen bis zu einer Leistung von 30 kWp (= Kilowatt Peak, also die elektrische Leistung von Solaranlagen), die 2011 in Betrieb gegangen sind, wurde eine Einspeisevergütung von 28,74 Cent/kWh gezahlt. Dazu kam ein Eigenverbrauchsbonus für diejenige Strommenge, die sowohl selbst erzeugt als auch selbst verbraucht wurde. Damit sollte die Entlastung des öffentlichen Stromnetzes honoriert werden. Diese Vergütung betrug zum selben Zeitpunkt 22,76 Cent/kWh.

Wird eine Photovoltaik-Anlage nach dem 1.7.2014 in Betrieb genommen, erhalten Betreiber von kleinen Anlagen bis zu einer Leistung von 10 kWp jetzt nur noch 12,88 Cent/kWh  für 80 % der eingespeisten Strommenge. Die übrigen 20 % können die Erzeuger selbst vermarkten. Der Eigenverbrauchsbonus entfällt für alle Anlagen, die ab dem 1.4.2012 ihren Betrieb aufgenommen haben, ersatzlos.

Wenn sich Bauinteressenten erst in einigen Jahren für ein Hybridhaus mit einer Photovoltaikanlage interessieren, werden sie noch weitere Einschnitte hinnehmen müssen: Die Einspeisevergütung wird kontinuierlich weiter abgesenkt werden. Wie stark diese Absenkung ausfällt, hängt vom weiteren Zuwachs des Solarstroms ab: Werden viele neue Anlagen installiert, fällt die Kürzung deutlicher aus. Spätestens wenn die Gesamtkapazität des in Deutschland produzierten Solarstroms 52 Gigawatt erreicht hat, wird es gar keine Einspeisevergütung mehr geben. Dann können Eigenheimbesitzer ihren selbst erzeugten Strom nur dann sinnvoll nutzen, wenn sie ihre Anlage um ausreichend große Stromspeicher ergänzen. Diese kosten derzeit mindestens 6.000,-- Euro für eine 5 kWp-Photovoltaikanlage, wie sie in Einfamilienhäusern üblich ist. Die Anschaffungskosten lassen sich durch einen einmaligen KfW-Zuschuss, der je nach Kaufpreis des Speichers bei 1.800,-- bis 3.000,-- liegt (KfW-Förderprogramm 275), abmildern.

Das muss vor dem Bau eines Hybridhauses mit einer Photovoltaikanlage überlegt werden

  • Auch, wenn ein Hybridhaus im Angebot als energieeffizient gepriesen und mit den KfW-Förderprogrammen beworben wird, die die finanzielle Belastung senken sollen, gilt:
    Nur Häuser, die die strengen energetischen Vorgaben für eine KfW-Förderung erfüllen, werden entsprechend berücksichtigt.
  • Wie bei jedem Hausangebot muss auch bei einem Hybridhaus deutlich sein, welche Leistungen zum Festpreis gehören.
  • Bauherren müssen sich vorab darüber im Klaren sein, ob sich die zu erwartenden Mehrausgaben für sie rechnen. Dabei sind vor allem drei Kennzahlen von Bedeutung:
    1. die voraussichtliche Entwicklung der Energiekosten,
    2. die Entwicklung der Einspeisevergütung (siehe: www.bundesnetzagentur.de),
    3. die Höhe des eigenen Energieverbrauchs im Vergleich zu den prognostizierten Werten des Anlagenherstellers.

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