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DreiliterhausAls das Dreiliterhaus auf den Markt kam, wurden unsere Bauberater gefragt, was darunter zu verstehen ist. Aber was zunächst irritiert und vielleicht sogar ein wenig belustigt, ist eine an das sparsame 3-Liter-Auto angelehnte Wortschöpfung. Der Name "3-Liter-Haus" ist jedoch Programm. Der Begriff  deutet direkt auf das immer wiederkehrende Thema der klugen Nutzung wertvoller Energie zur Beheizung eines Wohnhauses hin.

Das Energiekonzept für ein 3-Liter-Haus

Auch mit dem Dreiliterhaus ist ein Energiesparkonzept für Massivhäuser verbunden. Im Wesentlichen heißt es so, weil pro Quadratmeter jährlich unter 30 Kilowattstunden Primärenergie zur Beheizung benötigt werden. Diese 30 kWh entsprechen einem jährlichen Endenergiebedarf von unter drei Litern Heizöl. Auch wenn aus fachlicher Sicht die Angabe von Kilowattstunden korrekt wäre, hat man sich aus Marketinggründen für diese Wortschöpfung entschieden, weil jeder eine Vorstellung davon hat, wie viel drei Liter Heizöl sind.

Ein kleiner Exkurs soll verdeutlichen, worum es im Kern geht:
Primärenergie kommt in der Natur vor und muss erst in Endenergie umgewandelt werden, die vom Verbraucher schließlich in Form von Nutzenergie benötigt wird. Zum Beispiel wird Rohöl unter einem bestimmten Verlust in der Raffinerie zu Heizöl verarbeitet, welches im sparsamen Drei-Liter-Haus durch den Heizkessel (und weiterem Verlust) in Wärme für die Hausbewohner umgewandelt wird. Diese Umwandlungsverluste können nicht vermieden werden. Doch kann dieser Verlust beispielsweise durch kompakte Bauweise und gute Dämmung gering gehalten und der Wirkungsgrad des Energieträgers (in diesem Fall des Heizöls) zu einem nicht unerheblichen Teil erhöht werden. So ist der Heizölverbrauch in einem vergleichbar großen Neubau, der nach der Energieeinsparverordnung gebaut wurde, je nach Anzahl der Personen und gewünschter Innentemperatur rund 10 Mal so hoch wie beim 3-Liter-Haus. Mit unter 3 Litern Heizöl oder 30 kWh liegt das 3-Liter-Haus in der Kategorie B für den Energieausweis der Energiestandards. Es ist demnach eine spezielle Form des Niedrigenergiehauses mit hochwertigeren Vorgaben.

Voraussetzungen für ein 3-Liter-Haus

Um den Energiestandard von unter drei Litern zu erreichen, ist eine hervorragende Isolierung der Hauswände und des  Dachs unumgänglich. Wie bei einem Massivhaus die Dämmvorrichtungen für ein Dreiliterhaus im Detail umgesetzt werden, kann sich von Fall zu Fall unterscheiden. Wichtig ist, dass die Gebäudehülle der Kälte von außen und der Wärme von innen einen möglichst großen Widerstand entgegensetzt. Dieser kann durch einen gut isolierenden Stein oder zum Beispiel auch mehrschaligen Aufbau der Außenwände erreicht werden. Die Mehrkosten für ein optimal isoliertes Haus spielen im Vergleich zur Einsparung von immer knapper und teurer werdenden Energieträgern kaum noch eine Rolle. Die vorgegebenen Energiestandards können gegen einen vergleichsweise geringen Aufpreis eingehalten werden. Viele Energieeinsparungen können außerdem durch die Gebäudeform (möglichst kubisch) und Gebäudegröße (das Verhältnis von Oberfläche und Volumen sollte möglichst gering ausfallen) erreicht werden. Das Dreiliterhaus erreicht diese Standards auch durch eine 50 cm dicke Hauswand, dreifach verglaste Fenster mit Wärmeschutzrahmen, den vollständigen Ausschluss von Wärmebrücken sowie Wärmepumpen.

Energiezyklen beim 3-Liter-Haus

Das sparsame Dreiliterhaus hat mehrere sogenannte Energiezyklen. Das heißt, es bezieht auch Wärme durch große Fensterflächen im Süden, durch die die Sonne ungehindert scheinen kann. Es macht sich außerdem noch einen Pufferspeicher zur Erwärmung von Trinkwasser zunutze. Erst wenn mehrere kalte und bewölkte Tage aufeinanderfolgen, versorgt sich das Haus mit Wärme aus dem Heizkessel. Die drei Liter Heizöl sind also vor allem eine Reserve, auf die nur zu besonders kalten Zeiten zurückgegriffen werden muss. Der hier beschriebene Energiezyklus besteht aus einer ständigen automatischen Komfortlüftung: Sie entzieht den besonders belebten Räumen die verbrauchte warme Luft und transportiert sie mithilfe des Wärmetauschers ins Freie, der die Räume mit frischer Außenluft versorgt. Kalte Außenluft wird mit einem Erdwärmetauscher vorgewärmt.

3-Liter-Haus und KFW-Förderung

Der Hausbau als  3-Liter-Haus wird durch die KfW-Bank unterstützt. Da dieser Haustyp strengeren Energiestandards unterliegt, fällt er in die Kategorie eines KfW-Effizienzhauses 40. Darum werden von der KfW-Bank zusätzlich zum zugesagten Darlehen 10 % Tilgungszuschuss gewährt.

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