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Innenputz Der Putz im Innenbereich macht die Wohnlichkeit der eigenen vier Wände aus.  Der Innenputz sollte jedoch nicht nur nach seinem Aussehen, sondern auch nach der vorgesehenen Nutzung des Raums ausgewählt werden. Ein Innenputz hat nicht nur die Funktion, einen ebenen Untergrund für die nachfolgenden Malerarbeiten zu schaffen, sondern soll auch das Mauerwerk vor Feuchtigkeit schützen.

Die verschiedenen Arten von Innenputz

Klassische Putze bestehen neben Sand aus mineralischen Bindemitteln wie z. B. Zement, Gips, Baukalk oder Kalk-Sand-Gemische. Sie enthalten keine Kunststoffzusätze und werden vom Handel als Trocken- oder Mineral-Fertigmörtel angeboten. Kunden können sich außerdem für Kunstharzputze (Dispersionsputze) entscheiden, die ein putzartiges Aussehen haben und den Vorgaben der DIN 18558 entsprechen. Sie enthalten organische Bindemittel wie beispielsweise wässrige Polymerdispersionen oder kleine Mengen von in Lösemitteln gelösten Harzen. Alternativ sind seit einiger Zeit auch pulverförmige Beschichtungsstoffe auf der Grundlage von Polymeren oder Silikaten erhältlich. Kunstharzputze werden in pastöser Form angeboten und können sofort verarbeitet werden. Sie eignen sich durch ihre Unterschiedlichkeit sehr gut dazu, die Innenwände mit ihnen zu gestalten: Je nach dem erzielten Effekt unterscheidet man u. a. zwischen Spritz-, Kratz-, Reibe- oder Buntsteinputz. Die Kornstärken variieren dabei zwischen 1,0 und mehr als 6 mm.

Jeder Eigenheimbesitzer möchte, dass für sein Haus der richtige Putz verwendet wird. Bereits bei der Thematik „richtiger Putz“ ergibt sich hier ein großes Fragezeichen. Diese Putzarten stehen zur Wahl:

Gipsputz

Dieser Putz, der auch als „Weißputz“ bekannt ist, findet oft im Innenbereich Verwendung. Hierbei handelt es sich um einen fein strukturierten Putz, der eine glatte Oberfläche schafft. Er ist sehr gut für Wohnräume, Dielen oder Treppenhäuser geeignet. Durch seine ebene Struktur ist er die ideale Unterlage für einen Farbanstrich. Weil der Gipsputz Feuchtigkeit bindet, sollte er in Keller- und Feuchträumen nicht verwendet werden, eine Schimmelbildung wäre hier die Folge.

Silikatputz

Bei diesem Putz handelt es sich um eines der am häufigsten verwendeten Putzmaterialien. Beim Auftragen von Silikatputz kann die Wand „durchatmen“. Das bedeutet, dass Feuchtigkeit und Dampf nach außen abgegeben werden können. Deshalb eignet sich dieser Putz auch hervorragend für Räume mit hohem Feuchtigkeitsaufkommen, wie Keller- und auch Sanitärräume. Ein Nachteil ist, dass Silikatputz ausschließlich auf verkieselungsfähige, also sand- oder quarzhaltige,  Untergründe angewendet werden soll, denn nur dann können eine gute Haftung und eine lange Haltbarkeit gewährleistet werden.

Lehmputz

Durch die Verwendung von Baumaterialien unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit wird der Lehmputz immer häufiger verwendet. Dieser Putz hat die Vorteile, dass er sich einfach und streifenfrei überstreichen lässt und ein angenehmes Raumklima gibt. Deshalb ist er gerade für Allergiker sehr empfehlenswert. Er kann in sämtlichen Räumlichkeiten einschließlich der Sanitärräume angewendet werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Lehmputz Schimmelwachstum verhindert. Ein Nachteil dieses natürlichen Putzes ist nicht bekannt.

Baumwollputz/Flüssigtapete

Der Untergrund für einen Baumwollputz muss sauber und rau sein. Räumlichkeiten mit schiefen Wänden oder schrägen Decken sind mit diesem Putz absolut kein Problem mehr. Dadurch, dass Baumwollputz, hervorragend Geräusche absorbiert, ist dieser Putz ein absoluter Schalldämpfer. Zudem ist er ein guter Wärmeschutz. Er eignet sich für sämtliche Räumlichkeiten, einschließlich Bäder und WCs. Sein Nachteil ist, dass er ohne eine Versiegelung nirgendwo dort aufgetragen werden darf, wo Spritzwasser erzeugt wird, weil sich das Bindemittel auflösen würde. Im Vergleich zu anderen Putzen oder auch Tapeten ist er mit 8-10 €/qm vergleichsweise teuer; enthält der Baumwollputz Effekte wie z. B. Glimmer, steigt der Preis an.

mineralischer Putz

Mineralischer Putz wird seit eh und je verwendet. Er hat einen positiven Einfluss auf das Raumklima und kann in verschiedenen Körnungen aufgetragen werden. Er zeichnet sich außerdem durch eine erhöhte Schall- und Wärmeisolation aus. Mineralischer Putz kann ebenfalls in sämtlichen Räumen aufgetragen werden. Als Nachteil gelten seine anfänglichen Ausdünstungen.

Kunstharzputz

Dieser Putz macht seinem Namen Ehre und tritt durch seine sehr gute rissüberbrückende Eigenschaft hervor. Er ist für sämtliche Wohnräume, Keller, Treppenhäuser und sanitäre Räumlichkeiten geeignet. Der Nachteil ist, dass Kunstharzputz algen- und pilzanfällig ist, auch seine lange Abbindephase ist nicht vorteilhaft.
Weitere Putze können in verschiedenen Arten aufgetragen werden und bestimmen die optische Struktur der Putzoberfläche.

Reibeputz

Beim Reibeputz wird nach dem Auftragen des Putzmaterials mit einem steil gestellten Edelstahlglätter der Putz abgezogen. Nach dem Abziehen wird mit einem Kunststoffglätter in eine Richtung gerieben. Dieses Reiben bestimmt das spätere Aussehen der Fläche.

Kratzputz

Beim Kratzputz wird das Material mit einer Kelle dick aufgetragen. Wenn der Putz nach ungefähr 24 Stunden abgebunden ist, kann mit dem Kratzen begonnen werden. Vorher sollte aber unbedingt überprüft werden, dass der Putz nicht mehr weich, aber auch noch nicht zu hart ist. Durch die Verwendung eines Nagelbrettes wird der Putz „gekratzt“. Mit gleichmäßigen Bewegungen wird mit dem Kratzputz eine schöne Struktur erzielt.

Filzputz

Der Putz wird mit einem gleichmäßig angefeuchteten Filzbrett abgerieben. Dabei wird die Oberfläche sehr glatt. Diese Putzart eignet sich besser für kleinere Räume, denn auf großen Flächen entstehen beim Filzputz oft schnell feine Haarrisse auf der Oberfläche.

Rollputz

Für Rollputz ist eine ebene und glatte Fläche als Untergrund nötig. Löcher von Dübelstellen oder andere Auskerbungen dürfen beim Rollputz nicht vorhanden sein, denn der Putz kann diese Stellen nicht überbrücken. Der Putz wird mit einem Farbroller aufgetragen, im Grunde genauso wie Wandfarbe.

Kellenstrichputz

Der an die Wand geworfene Mörtel wird nach dem Anziehen beim Kellenstrichputz mit der Kelle etwas verdichtet. Durch die verschiedenen Richtungen und Kellenabstände entstehen beim Kellenstrichputz künstlerische Effekte.

Streichputz

Der Streichputz ist ein denkbar einfacher Putz. Es wird dazu weder eine Kelle oder ein Glättbrett benötigt. Der Streichputz wird fertig angemischt verkauft. Er wird mit einer Rolle ähnlich wie Farbe aufgetragen.

Spezielle Innenputzanwendungen und deren positive Eigenschaften

Akustikputz zur Schalldämmung

Akustikputz basiert auf Mineralputz. Dabei sind die Oberflächenstruktur und die Kornzusammensetzung so konzipiert, dass die Absorption positiv zur Reduzierung des Luftschalls beiträgt. Die Absorption des Schalls basiert hauptsächlich auf der Umwandlung der Schallenergie in thermische Energie: Durch die Reibung wird den schwingenden Luftteilchen ihre Schallenergie entzogen.

Innendämmputz zur Wärmedämmung

Für eine zusätzliche Verbesserung der Wärmedämmung empfiehlt sich das Auftragen von Innendämmputz. Dieses Putzsystem basiert auf einer mineralischen Ausgangsbasis. Der Innendämmputz ist mit wärmedämmenden Komponenten wie Kalk, Zellulosefasern oder Perlite angereichert. Diese Zusammensetzung bewirkt ein optimales Lüftungsverhalten des Putzes und ist deshalb auch ideal, um Schimmel- oder Feuchtigkeitsproblemen entgegenzuwirken.

Abschirmputz zur Abschirmung vor elektromagnetischen Feldern

Der Abschirmputz wird hauptsächlich aus den Komponenten Gips und Carbonfasern hergestellt. Dieser Putz wird dort angewendet, wo die Abschirmung von elektromagnetischen Feldern und antistatische Eigenschaften erwünscht sind. Sie funktionieren nach dem Prinzip des Faradayschen Käfigs und müssen daher mit Ableitungskabeln ausgestattet werden, für die eine Verbindung mit geerdeten Materialien hergestellt werden muss. Gerade elektrosensiblen Menschen kann mit dem Auftragen von Abschirmputz deren Problem geholfen werden. Dieser Putz kann im Neubau, aber auch in der Bausanierung auf Gipsplatten, auf Kalkzement und auf Beton aufgetragen werden.

Die Anforderungen an die unterschiedlichen Qualitätsstufen

Nur wenige Bauherren und Sanierer wissen, dass bei der Auswahl des Innenputzes auch auf dessen Qualitätsstufe geachtet werden sollte. Die Industriegruppe Baugipse im Bundesverband der Gipsindustrie hat die einzelnen Qualitätsstufen Q1-Q4 definiert, um so eine Vereinheitlichung herbeizuführen, die Missverständnisse durch selbstgewählte Formulierungen in den Leistungsverzeichnissen (z. B. „malerfertig“ oder „streiflichttauglich“) vermeiden soll.

  • Qualitätsstufe Q1
    An die Qualitätsstufe Q1 werden die geringsten Ansprüche gestellt. Sie reicht aus, wenn die Putzschicht keinen dekorativen Charakter haben muss, sondern lediglich das Mauerwerk luftdicht abschließen soll. Dies ist der Fall, wenn nach dem Verputzen Fliesen oder Natur- und Kunststeine auf die Wand aufgebracht werden sollen. Auch wenn rustikale Finishputze auf die Innenwand aufgetragen werden sollen, werden  hier Fehlstellen lediglich ausgeglichen und austretender Fugenkleber abgestoßen. Auf diesem Qualitätsniveau werden in den meisten Fällen Zement- oder Gipsputze verwendet.
  • Qualitätsstufe Q2
    Innenputzarbeiten nach der Qualitätsstufe Q2 gehören zum Standard und werden auf diesem Niveau am häufigsten eingesetzt. Sie werden mit Zement-oder Gipsputz durchgeführt und eignen sich sehr gut, wenn auf die Wand anschließend mittelschwere oder schwere Tapeten oder Anstriche mit Dispersionsfarben aufgebracht werden sollen.
  • Qualitätsstufe Q3
    Wenn die Innenwand eine Tapeten mit einer feinen Strukturierung, einen Finishputz mit einer sehr feinen Körnung (< 1 mm Korngröße) oder einen matten Anstrich erhalten soll, sollte der Innenputz der Qualitätsstufe Q3 entsprechen. Hier wird mit einem 2-lagigen Gipsputz gearbeitet, der fein gespachtelt und wenn nötig sehr glatt geschliffen wird. Die Arbeit baut dabei auf der Qualitätsstufe Q2 auf.
  • Qualitätsstufe Q4
    Die Qualitätsstufe Q4 wird zunächst mit den Arbeiten, die für die Stufe Q3 nötig sind, vorbereitet und danach zusätzlich ganzflächig mit einem geeigneten Spachtelmaterial überarbeitet. Auf diesem Innenputz können Metall- oder Glanztapeten sowie seidenmatte Lasuren und Lacke aufgebracht werden. Auch wenn es sich bei der Qualitätsstufe Q4 um das höchste handwerkliche Niveau handelt, wird nie eine völlige Schattenfreiheit erreicht werden. Um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, sollte vor Beginn der Arbeiten geklärt werden, unter welchen Lichtverhältnissen (Tages- oder Kunstlicht) die Innenwand stehen wird. Die Arbeit gelingt noch besser, wenn sie bereits unter den späteren Lichtverhältnissen durchgeführt werden kann.

Innenputzarbeiten in Eigenleistung?

Mit einem kompetenten Handwerkspartner an der Seite oder ausreichend handwerklichem Geschick ist das kein Problem. Fachkompetenz und eine genaue Arbeitsweise sind jedoch unbedingt nötig. Anfängern ist allerdings auf jeden Fall der Gang zum Fachmann anzuraten, damit die Räume genauso werden, wie der Eigenheim-Besitzer es sich vorgestellt hat.

So wird Innenputz aufgetragen:

Zu Beginn muss die zu verputzende Fläche auf ihre Beschaffenheit geprüft werden. Diese muss trocken, sauber und glatt sein. Es muss darauf geachtet werden, dass nur so viel Material angerührt wird, was in den nächsten 15 – 20 Minuten verarbeitet werden kann, ebenso muss die vorgegebene Quellzeit durch den Hersteller berücksichtigt werden. Zum Anrühren des Putzes werden ein Putzquirl, ein großer Eimer aus Kunststoff oder eine Plastikwanne und Wasser benötigt. Weitere Werkzeuge sind eine Kelle, eine Edelstahltraufel, eine Kartätsche (Reibebrett), eine Aluminiumlatte zum Abziehen und weitere Hilfsmittel entsprechend der jeweilig gewünschten Struktur des Innenputzes. Das Werkzeug muss immer in unmittelbarer Nähe bereitliegen.

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