ZBO - Zentrale Bau Organisation

EstricharbeitenSowohl für eine gewerbliche Immobilie als auch eine Privatunterkunft benötigt man im Rohbau und bei der Renovierung einen gut verlegten Estrich. So bleibt der Boden mit jedem Belag lange so schön und eben wie er zu Anfang war. Ein gut verlegter Estrich ist darum ein Arbeitsschritt, über den man sich besonders dann im voraus ausführlich informieren sollte, wenn man ihn selbst durchführen möchte.

 Estrich als Werkstoff

Bereits die alten Griechen belegten ihre Böden mit einem Bindemittel, um einerseits eine vorgegebene Höhe des Bodens zu erreichen und andererseits eine ebene und direkt begehbare Fläche zu erhalten. Diese Grundfunktionalitäten des Estrichs haben sich bis heute nicht geändert. So dient der Estrich auch heute als Grundlage für Bodenbeläge, als direkt begehbarer Fußboden und als Bodendämmung. Estrich wird in mehrere Arten unterscheiden, von denen jede eine ganz eigene Anwendungsmöglichkeit hat. Estriche werden anhand ihrer Bindemittel unterschieden. Dabei reicht die Bandbreite von Kunstharz- und Zementestrich über Calciumsulfatestrich bis zu Gussasphalt- und Magnesiaestrich. Die Auswahl sollte ein Fachmann nach den jeweiligen Möglichkeiten treffen und so für den optimalen Bodenbelag sorgen. Eine Ausnahme bildet der Trockenestrich, der seit längerer Zeit immer häufiger verwendet wird: Dabei handelt es sich um fertige Verlegeplatten, die passend zugeschnitten und miteinander verklebt werden. Der Trockenestrich zeichnet sich durch seine schnelle Verwendung, seine kurze Trockenzeit und durch seine hohe Stabilität aus. Er sollte aber nur von geübten Handwerkern oder versierten Heimwerkern verlegt werden, da die Arbeit viel Konzentration und entsprechendes Fachwissen voraussetzt.

Fließestrich

Fließestrich wird in der Regel auf der Basis von Calciumsulfat hergestellt. Meistens wird er direkt vor Ort in mobilen Mischmaschinen angemischt und sofort eingesetzt. Der Estrich kann jedoch auch in großen Mischpumpen zubereitet und per LKW zum Einsatzort gebracht werden. Dieser Estrich wird vor allem dann verwendet, wenn völlig ebene Oberflächen oder sehr große Flächen fugenlos verlegt werden sollen. Der flüssige Estrich ist nach zwei Tagen Trockenzeit begeh- und bereits nach fünf Tagen belastbar. Er hat den Vorteil, dass sein Einbau relativ unkompliziert ist und sich nur geringe bis keine Verformungen ergeben. Ebenso ist er sehr gut für Fußbodenheizungen geeignet, da der flüssige Mörtel die Heizungsrohre hohlraumfrei umschließt und die Energie optimal genutzt wird. Weitere Vor- oder Nachteile ergeben sich je nach Mörtelmaterial und Einsatzort: Ist er zum Beispiel für einen Nassraum wie Bad oder Küche vorgesehen, dann sollten Sie darauf achten, eine Dampfsperre oder Abdichtung einzubauen.

Heizestrich

Als Heizestrich wird ein mineralischer Unterboden bezeichnet, der mit Heizelementen ausgestattet ist und für Fußbodenheizungen verwendet wird.. Die Heizelemente sind entweder oberhalb oder unterhalb der Lastenverteilungsschicht eingearbeitet, sodass der Heizestrich als Heizkörper wirkt. Dieser Estrich wird dort verwendet, wo auf reguläre Heizkörper verzichtet werden soll. In der Regel benutzt man als Heizung Warmwasserleitungen oder elektrische Heizmatten. Bei den meisten dieser Estrichkonstruktionen liegen die Heizungsrohre im Querschnitt des Estrichs und werden entweder auf einem Gitter oder aber auf einer festen Unterlage oberhalb der Dämmschicht fixiert. Die Heizmatten befinden sich dagegen oft unterhalb der Estrichplatte. In der Regel wird der Heizstrich als Fließestrich aufgebracht und benötigt je nach Material – meistens wird Zement verwendet – zwischen 7 und 21 Tagen Trockenzeit, bis der Boden voll belastet und belegt werden kann. Heizestrich hat eine Besonderheit, auf die geachtet werden muss: Er dehnt sich durch Wärmezufuhr aus und sollte deshalb keinen direkten Kontakt zu tragenden Bauteilen haben.

Zementestrich

Zementestrich ist der am meisten benutzte Estrich in Deutschland. Er besteht aus Zement, Sand oder Kies, wahlweise speziellen Zusatzmitteln sowie Wasser. Er ist nach kompletter Aushärtung sehr beständig gegen Feuchtigkeit, hohe Lasten und Frost. Die Einsatzgebiete sind sehr vielseitig im Innen- und Außenbereich. So können Sie Zementestrich für Bäder, Garagen, Gehwege und Einfahrten verwenden. Zementestrich verliert allerdings während des Trockenprozesses viel Feuchtigkeit und zieht sich zusammen. Dadurch können Risse entstehen, die bei sehr großen Flächen problematisch werden. Aus diesem Grund muss darauf geachtet werden, dass Sie die zu belegende Fläche auf circa 40 Quadratmeter begrenzen, den Estrich nicht bei Temperaturen unter 5 °C verarbeiten und die Temperatur auch noch einige Tage danach nicht absinkt. Außerdem ist es notwendig, den Estrich während der Trocknung feucht zu halten und ihn nicht zu hoher Wärme oder Regen auszusetzen. Wie lange der Zement zur Trocknung benötigt, hängt von seiner Zusammensetzung ab. Im Regelfall dürfen Sie den Estrich in den ersten drei Tagen keinesfalls betreten. Den genauen Zeitraum bis zur vollständigen Austrocknung können Sie mittels des Wasser-Zement-Wertes kalkulieren. Die vollständige Austrocknung, die bei einem Feuchtigkeitsgehalt von unter 2 % liegt, kann bis zu 20 oder 30 Tage dauern. Erst dann darf der Boden belegt werden.

Anhydritestrich

Anhydritestrich wird auch Kalziumsulfatestrich (Calciumsulfatestrich) genannt und setzt sich zusammen aus Anhydritbinder (Calciumsulfat), einer Gesteinskörnung bis zu einer Korngröße von 8 Millimetern und Wasser. Oft werden noch andere Zusätze hinzugegeben, um die Verarbeitung zu verbessern. Dieser Estrich ist weniger belastbar als beispielsweise Zementestrich. Insbesondere ist er nicht resistent gegen Feuchtigkeit und Nässe. Calciumsulfatestrich verfügt jedoch über eine hohe Biegsamkeit, eine gute Zug- und Druckfestigkeit und ist nicht brennbar. Er kann fugenlos verlegt werden und wird oft Einsatz als Heizestrich eingesetzt. Wenn Sie die Festigkeit erhöhen wollen, können Sie  einige Zusätze beifügen, wobei immer auf die Angaben des Bindemittelherstellers geachtet werden muss. Nach zwei Tagen können Sie den Anhydritestrich begehen und nach fünf Tagen leicht belasten.

Trockenestrich

Trockenestrich besteht in der Regel aus zwei miteinander verleimten Gipskartonplatten, die meistens 10 Millimeter dick sind. Durch eine seitlich liegende Auslappung können diese Platten zu einer ebenen Bodenfläche verleimt werden. Wenn Sie eine erhöhte Trittschalldämmung erreichen wollen, sollten Sie Plattenelemente mit einer aufgeklebten Dämmschicht auf der Unterseite verwenden. Die Dämmung besteht aus Mineralwolle oder Hartschaum und dient dabei auch der Wärmedämmung. Auch die Trockenschüttung trägt zum Schall- und Wärmeschutz bei, die vor der Verlegung des Trockenestrichs aufgebracht wird, um Unebeneinheiten auszugleichen. Einer der größten Vorteile des Trockenestrichs ist, dass es keine Trockenzeit gibt. Sie können also sofort nach dem Aushärten des Klebers einen Bodenbelag aufbringen. Wichtig ist nur, dass Sie die Platten „schwimmend“ verlegen, also den direkten Kontakt zu den umliegenden Wänden oder den möglicherweise hindurchführenden Rohren vermeiden. Wenn Sie dies nicht beachten, könnte der Körperschall auf die Wände übertragen oder zu viel Druck auf die Verlegung ausgeübt werden, wodurch der Boden wellig wird. Daher ist es angebracht, zwischen Wand und Platte einen Dämmstreifen zu kleben.

Estrich für jedes Gebäude

Bei der Wahl des richtigen Estrichs ist ganz besonders auf die Umgebung und die spätere Verwendung der Räume zu achten. Manche Kunstharz-Estriche sind nicht zu empfehlen, da sie stehen im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein. Wer seine Estricharbeiten in Eigenregie erledigen möchte, sollte sich vor Augen führen, dass diese Arbeitsschritte ein gewisses Maß an Fachkompetenz und Erfahrung benötigen. Ein Estrich ist, einmal gelegt, nur mit großem Aufwand wieder entfernbar und sollte deshalb von Amateuren nur unter fachkundiger Anleitung verarbeitet und verlegt werden.

Estricharbeiten in Eigenleistung ausführen

Wenn Sie den Estrich selbst verlegen möchten, so gibt es verschiedene Dinge zu beachten. Zunächst sollten Sie wissen, dass in der Regel zwischen Fließ- und Trockenestrich unterschieden wird. Dann ist es wichtig, sich den Untergrund anzusehen und dessen Beschaffenheit in gleichem Maße wie die Funktion des Bodens bei der Auswahl des Estrichs zu berücksichtigen. Welcher Belag soll später gelegt werden? Welche Belastungsansprüche werden an den Boden gestellt?

Sie sollten ebenso beachten, dass nicht jeder Estrich ohne erheblichen Aufwand und in Heimwerkerarbeit verlegt werden kann. Ein trockenes Estrichsystem kann von einem handwerklich geschickten Laien noch sehr gut selbst verarbeitet werden, aber die flüssigen Estriche sind deutlich aufwändiger. Da es sehr viele verschiedene Estrich-Konstruktionen gibt und immer wieder neue entwickelt werden, sollten Sie sich vor Ihrem Bauvorhaben von einem Fachmann beraten lassen. Baustofffirmen sind hier die ersten Ansprechpartner

Wollen Sie Flüssigestrich selbst auf Ihren Boden bringen, dann sollten Sie sich zuerst überlegen, wie der angemischte Estrich an den Verarbeitungsort gelangen soll. Außerdem sollten Sie die zu bearbeitende Bodenfläche und die benötigte Estrichmenge kennen. Für große Bauvorhaben wie den Ausbau eines Massivhauses, in dem alle Böden mit Estrich verlegt werden sollen – womöglich auch noch mit Heizestrich – werden große Mischmaschinen und spezielle Druckluftpumpen benötigt. Wenn Sie nur wenige Quadratmeter verlegen wollen, können Sie den Estrich mit einem mobilen Mischer selbst anmischen und ihn in Eimern transportieren.

Bevor Sie in einem Wohnraum Estricharbeiten ausführen, ist eine spezielle Vorbereitung für den Untergrund erforderlich. Um Wärmedämmung und Schallschutz zu gewährleisten, muss der Unterboden mit speziellen Trennschichtfolien und Dämmplatten ausgelegt und zusätzlich auch an den Wänden eine Randdämmung angebracht werden. Diese Randdämmung kann beim schwimmend verlegten Estrich auch als Abstandhalter zur Wand dienen.

Wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, können Sie mit den Estricharbeiten sofort beginnen. Die richtige Höhe des Estrichs sollte vorab markiert werden. Flüssiger Estrich ist im Grunde selbstnivellierend, d. h. er glättet sich selbst. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn Sie die Abschnitte mit einer Wasserwaage und einem Brett abziehen. Mithilfe eines Reibebretts und eines Stahlgitters stellen Sie dann die Oberfläche her. Handelt es sich um eine größere Fläche, müssen Sie zusätzlich spezielle Dehnungsfugen berücksichtigen, damit bei der Trocknung keine Risse in der Bodenplatte entstehen. Für die vollständige Aushärtung des Estrichbodens müssen Sie bis zu sechs Wochen einkalkulieren.

Viel leichter ist dagegen die Arbeit mit Trockenelementen. Diese Variante wird Ihnen bei der Renovierung von Altbauwohnungen oder Dachböden empfohlen, da Sie den Boden sofort benutzen können, um darauf Teppiche oder Laminat etc. zu verlegen.

Doch auch hier ist die Vorarbeit entscheidend für einen hochwertigen Fußboden. Dazu ist es erforderlich, den Fußboden auf seine Tragfähigkeit zu prüfen und Dellen oder andere Fehlstellen mit einer Trockenschüttung zu ebnen. Eine Dampfsperrfolie, die noch mehrere Zentimeter die Wände hochreicht, sollte ebenso ausgelegt werden. Ein Randdämmstreifen, der umlaufend um die Wände gelegt wird, dient beim Verlegen der Estrichplatten als Abstandhalter.

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, können Sie sofort mit dem Verlegen der Platten beginnen. Dabei wird von einer Zimmerecke aus begonnen und im Fugenversatz das ganze Zimmer ausgelegt. Die Elemente sollten Sie so platzieren, dass die Stufenfalze keine Fugen bilden und Sie diese ordnungsgemäß verleimen und anschließend verschrauben können. Achten Sie darauf, dass Sie beim Trockenestrich Verschnitt einplanen müssen, insbesondere für verwinkelte Zimmerecken und Türausschnitte. Legen Sie das System nicht zu straff, denn sonst wird der Boden sehr schnell wellig. Haben Sie Ihre Estricharbeiten beendet, so müssen Sie nun nur noch die Stoßfugen glatt zuspachteln; nach einem Tag ist der neue Boden voll belastbar. So viel Zeit sollten Sie dem Trockenestrich geben, damit der Klebstoff vollständig aushärtet.

Design-Estrich kann jedem Raum eine individuelle Note geben

Bodenbeläge prägen wesentlich die Wirkung eines Raums: Sie schaffen Atmosphäre, vermitteln Wohnlichkeit und sollen zugleich robust, pflegeleicht und langlebig sein. Dabei handelt es sich um Eigenschaften, die Materialien wie Beton und Estrich auch für den Wohnbereich zunehmend hoffähig machen. Geschliffene und polierte Designböden lassen sich beispielsweise nach eigenen Ideen gestalten und verleihen jedem Raum mit ihrem Glanz und ihren Oberflächeneffekten eine individuelle Note.

Jeder Boden ein Unikat

EstrichDie puristische und zugleich edle Optik erlebt in der modernen Architektur eine Renaissance, beobachtet Christoph Busch vom Anbieter Bosus: "Die Möglichkeiten der Gestaltung sind schier unbegrenzt, zudem ist geschliffener und polierter Estrich enorm haltbar und pflegeleicht." Nicht nur Allergiker wüssten die Vorteile des einfach zu säubernden Belags zu schätzen. Hinzu komme seine Wandelbarkeit. "Eine leichte Variation der Grundfarbe ändert bereits die gesamte Raumwirkung. Jeder Boden wird somit zum Unikat", erläutert Bodenexperte Busch weiter. Bauherren können auch die später sichtbare Körnung festlegen. Vom kaum wahrnehmbaren - ähnlich einer Sichtbetonwand - bis hin zum sichtbaren Korn wie bei der Terrazzo-Optik, von Seidenmatt bis Hochglanz kann die Oberflächenwirkung nach Wunsch gestaltet werden.

Für Neubau und Sanierung

Design-EstrichMit dem Schleifen und Imprägnieren erhält der Boden sein individuelles Finish. Das Resultat sind hochwertige Flächen aus einem Guss, komplett ohne Fugen. Geeignet sind die Design-Estriche gleichermaßen für Neubauten wie für die Renovierung. Mit seiner guten Wärmeleitfähigkeit ist der Belag sehr gut in Verbindung mit einer Fußbodenheizung nutzbar. Unter www.bosus.de gibt es weitere Informationen und zahlreiche Anregungen für die eigene Planung. Mehrschichtige Fußbodenaufbauten sind heute nicht mehr erforderlich: So gibt es mit "Retro-Floor" und "Industrie-Floor" zwei neuartige Bodenvarianten, die Busch mit seinen Mitarbeitern entwickelt hat. Sie ermöglichen einen einschichtigen Aufbau ohne oder mit einem kaum wahrnehmbarem Korn.

 Fotos: djd/www.bosus.de

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