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Eigenleistungen beim HausbauWenn die finanziellen Rücklagen knapp sind und die Finanzierung zu kippen droht, greifen Hausverkäufer gern zum letzten Mittel: Sie empfehlen den Hausbau mit Eigenleistungen.
Auf der einen Seite ist das Haus nun um einige tausend Euro günstiger, andererseits erinnern Sie sich vielleicht auch an Fernsehsendungen, in denen frustrierte Bauherren davon sprechen, wie sehr sie sich übernommen haben. Interessant und gleichzeitig fragwürdig ist der Aspekt, dass gerade Hausbau-Interessenten mit wenigen Rücklagen das Bauen mit Eigenleistungen empfohlen wird. In Anbetracht dessen, dass die regelmäßigen Besuche der Baumärkte mit Ausgaben verbunden sind, brauchen Sie nämlich ein entsprechend gefülltes Portemonnaie. Zu berücksichtigen sind auch die Kosten für eine wahrscheinlich längere Bauzeit und damit auch die Ausgaben für die Miete der Wohnung und der Bauzeitzinsen.

 

Der Faktor Einsparung finanzieller Mittel

Eines vorweg: Der tatsächliche Wert einer Eigenleistung bemisst sich lediglich an der Summe, die Sie an Arbeitslohn selbst einbringen, also der gesparten Handwerkerstunden. Das Baumaterial benötigen Sie in jedem Fall, und gerade dessen Kosten werden schnell unterschätzt.

Erklären wir dies einmal an zwei Beispiel aus der Praxis:

  1. Der Bauherr übernimmt den Einbau der Sanitärobjekte selbst, und wir befassen uns hier mit dem gern unterschätzen Anschluss eines WC.
    Im Baumarkt kaufen Sie ein WC und ein „WC-Anschluss-Set“. In diesem sind verschiedene Dinge enthalten und es kostet um 30 Euro. Schon eine kleine Unachtsamkeit genügt, und Ihr Anschlussrohr ist zu kurz. Also fahren Sie wieder zum Baumarkt und kaufen sich ein zweites Anschluss-Set, denn einzeln gibt es das Bauteil natürlich nicht. Schon beim ersten Fehlversuch hat sich die ersparte Handwerkerstunde in Luft aufgelöst!

  2. Der Einbau der Heizungsanlage:
    Natürlich finden Sie im Internet schnell den Preis für eine Heizungsanlage, wie aber ist es mit dem Zubehör und den vielen Kleinigkeiten, die ihren Gebrauch erst möglich machen? Auch hier genügt eine Unachtsamkeit, um die prognostizierte Einsparung umzukehren.

 

Der Faktor Zeit

Der Zeitfaktor wird beim Bauen in Eigenleistungen gern unterschätzt. Während das Tapezieren und Verlegen der Teppichböden noch einigermaßen überschaubar erscheinen, sieht es bei sogenannten Selbstbauhäusern (Hausbausatz), Mitbauhäusern und Ausbauhäusern schon etwas anders aus. Während nämlich die Maler- und Tapezierarbeiten in etwa einer Urlaubswoche erledigt werden können, benötigen Sie bei einem Ausbauhaus sehr wahrscheinlich mehr freie Tage, als Ihr Urlaubsanspruch es hergibt. Sie sollten sich also genau überlegen, ob Sie für mehrere Wochen Ihre Freizeit auf der Baustelle verbringen möchten und können.

 

Selbsteinschätzung

Die "Muskelhypothek" lohnt sich nur, wenn Sie sich über den Umfang der Eigenleistungen hinsichtlich der Arbeitszeit und des Materialverbrauchs im Klaren sind und Ihre eigenen handwerklichen Fähigkeiten richtig einschätzen. Eigenleistung kann nämlich auch teuer werden, zum Beispiel wenn die erforderlichen handwerklichen Leistungen unterschätzt wurden. Wenn der Fachmann nach einem fehlgeschlagen Versuch zu Rate gezogen werden muss, wird es meistens doppelt teuer, als wenn Sie diese Bauleistung gleich in Auftrag gegeben hätten.

Auch der Aspekt der Gewährleistung sollte Ihnen bewusst sein, denn der Bauunternehmer haftet für nichts, was Sie selbst errichten. Problematisch kann es werden, wenn durch eine fehlerhafte Eigenleistung die Gewährleistung für vereinbarte Bauleistungen erlischt. So könnte es zu Rechtsstreitigkeiten kommen,  wenn bei dem Versuch, die Steckdosen in Eigenleistung zu installieren, ein Schaden an der Elektroinstallation ausgelöst wird.
Sie sollten auch wissen, dass Sie vor dem Beginn einer Eigenleistung die Abnahme der vom Bauunternehmer erbrachten Leistungen regeln müssen. Wenn Sie zum Beispiel eine fertig erstellte Wand spachteln, so akzeptieren Sie diese gleichzeitig als mängelfrei. Eine spätere Reklamation von Mängeln an dieser Wand wird schwer durchsetzbar sein.

Bevor Sie sich für den Hausbau mit Eigenleistungen entscheiden, sollten Sie sich eine Aufstellung der Material- und Lohnkosten für die gewünschten Eigenleistungen geben lassen. Schnell trennt sich hier die Spreu vom Weizen, weil viele Hausanbieter Ihnen kaum mehr als den ersparten Materialanteil gutschreiben. In diesem Fall arbeiten Sie selbst völlig umsonst. Sofern Sie Ihr Eigenheim als Ausbauhaus oder Rohbau bauen sollten, lassen Sie Ihre Tätigkeiten in den  Terminablaufplan einarbeiten.

Grundsätzlich sind Tätigkeiten, die keiner hohen Fachkompetenz bedürfen, durchaus zu empfehlen. Dazu zählen die Malerarbeiten, das Verlegen der Bodenbeläge und die Gestaltung der Außenanlagen. Aber bereits die Fliesenarbeiten und der Dachausbau erfordern Erfahrung. Trockenbauarbeiten dagegen erfordern keine speziellen Fachkenntnisse, die sich nicht schnell im Internet recherchieren ließen. Jedoch lohnt sich die Leistung für Sie möglicherweise schon deshalb nicht, weil Sie ein Mehrfaches an Zeit dafür benötigen als ein versierter Handwerker.

An die Haustechnik sollten Sie sich nur wagen, wenn derjenige, welche diese einbaut, eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen und auch Erfahrungen darin hat. Von Bausätzen für die Haustechnik raten wir ab.

 

Unsere Ausbaustufen beim Hausbau

Diese Leistungen sind unabhängig von der gewählten Ausbaustufe enthalten:

 

schlüsselfertig bauen (bauen-schluesselfertig.de)

Gerade weil der Begriff "schlüsselfertig" nicht sehr aussagekräftig ist, möchten wir Ihnen darstellen, welche Eigenleistungen Sie in dieser Ausbaustufe erbringen müssen:

 

 

Ausbauhaus bauen (ausbauhaus-bauen.de)

Ihre Eigenleistungen beim Hausbau als Ausbauhaus:

 

 

Rohbau bauen (rohbau-bauen.de)

Wenn Sie den kompletten Innenausbau in Eigenregie ausführen wollen, dann würden wir Ihnen unsere Ausbaustufe "Rohbau" empfehlen. Darunter verstehen wir die Errichtung als geschlossenes Haus, also inklusive:

  • Erdarbeiten
  • Entwässerungsarbeiten
  • Bodenplatte/Keller
  • Außenwände und tragende Innenwände
  • Dachstuhl, Dacheindeckung, Dachentwässerung
  • Fenster, Außenfensterbänke, Rollläden, Hauseingangstür
  • Außenputz

 

 

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