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Ob Fertighaus oder traditionell gemauertes Massivhaus - für das Dach gibt es nicht nur verschiedene, miteinander kombinierbare Dachformen, sondern auch unterschiedliche Konstruktionsweisen. Bei Fertigteilhäusern geht der Trend aus Zeitersparnisgründen auch beim Dachbau zu vorgefertigten Konstruktionsteilen, den sogenannten Binderdächern. Damit entfällt theoretisch das beliebte Richtfest, mit dem der Bauherr eines Massivhauses Bergfest feiert und zeigt, dass sein Eigenheim zur Hälfte fertig gestellt ist. Normalerweise wird ein Dach auch heute noch in sorgfältiger Zimmermannsarbeit individuell konstruiert und mit Hilfe des Dachdeckers errichtet und eingedeckt. Dabei wird der Dachstuhl direkt vor Ort auf dem letzten Geschoss mittels Balken und Sparren aufgebaut.

 

Kalt- oder Warmdach - was ist das Ziel?

Die verschiedenen Konstruktionsarten wie Pfettendach, Sparrendach und Kehlbalkendach werden nochmals in Kaltdach und Warmdach unterschieden.

  • Kaltdach
    Beim Kaltdach handelt es sich um einen althergebrachten Dachaufbau, bei dem die zweischalige Dachhaut in der Dachlattenebene hinterlüftet ist und der gesamte Raum durchlüftet wird. In der Regel findet man solche Dachaufbauten mit Sichtgebälk und ohne Wärmedämmung in alten Massivhäusern, bei denen der Dachboden nicht als Wohnraum genutzt wird. Bei der einfachsten Variante sind die Rückseiten der Dachziegel zu sehen.

  • Warmdach
    Ein einschaliges Warmdach ist hingegen nicht durchlüftet und verfügt über eine Dämmebende aus Platten mit Dämmstoffen. Sichtgebälk ist möglich, die Dachabdeckung selbst ist von innen nicht sichtbar.

 

Dachaufbau - verständlich erklärt

Bevor das Dach aufgebaut werden kann, benötigt es eine Dachkonstruktion. Hiermit werden die tragenden Elemente bezeichnet, die für die Statik des Dachs notwendig sind. Die Alternativbezeichnung lautet: Dachgerüst. Die Dachneigung ist je nach Dachform unterschiedlich ausgeprägt. In Europa wird für die Dachgerüste von Massiv- und Fertigteilhäusern Holz verwendet. In Asien ist Bambus der bevorzugte Werkstoff. Industriebauten verfügen oft über Dachkonstruktionen aus Stahl, die eng mit dem Eisenskelettbau verwandt sind. Häuser mit Flachdach benötigen kein Dachgerüst, weil bei diesen Bauwerken die obere Geschossdecke das Dach bildet, das nur noch mit geeigneten Materialien gedeckt werden muss.

Die Geschossdecke kann vom Dachgerüst gebildet werden. Hierbei münden die Sparrenfüße (also die unteren Enden der schrägen Dachbalken) in Querbalken (Schwellen), auf die später die Geschossdecke aufgebracht wird. Wird das Dach auf einer Stahlbetonplatte aufgebracht, entfallen die Schwellenhölzer und die schrägen Dachsparren werden direkt mit der Geschossdecke verbunden und versteift.

 

Die geläufigsten Dachkonstruktionen im Überblick:

 

Sparrendach

SparrendachEffizient und schnell errichtet: Ein Sparrendach wird aus hölzernen Sparren (schmale Holzbalken) errichtet und kommt ohne zusätzliche Holzstützen im Dachraum aus. Je zwei Dachbalken, die sich im Dachfirst gegenseitig abstützen, werden zu einem Dreieck verbunden, die Neigung beträgt je nach Dachform zwischen 30 und 90 Grad.  Die Abstände zwischen den Sparren-Paaren beträgt 70 bis 90 Zentimeter. Dazwischen befinden sich parallel angebrachte Dachlatten, auf denen die Dachhaut aus Ziegeln oder anderen Abdeckmaterialien aufgebracht wird. Allerdings ist das Sparrendach mit seiner dreieckigen Grundform und stirnseitiger Giebelwand nur für normal bemessene Einfamilienhäuser einsetzbar, die eine Tiefe von maximal acht Metern aufweisen, ansonsten wird die Belastung zu hoch und die Statik ist nicht mehr sicher. Bei einem Sparrendach ist der gesamte Innenbereich (der Dachboden) nutzbar. Sehr steile Sparrendächer können mit einer Zwischenkonstruktion versehen werden, die eine Zimmerdecke bilden und zu einem verkleinerten Spitzboden führen. Diese erweiterte Konstruktionsart nennt sich jedoch bereits anders, nämlich Kehlbalkendach.

 

Kehlbalkendach

KehlbalkendachAls Kehlbalkendach wird ein erweitertes Sparrendach bezeichnet. Der Unterschied: Waagerechte Balken stützen unterhalb des Dachfirstes die schrägen Sparren zusätzlich gegeneinander ab. Dabei sind die jeweils gegenüberliegenden Diagonalbalken mit einem Querbalken verbunden, der mittels Verkleidung eine Zwischendecke mit Spitzboden bildet. Damit wirken die darunter befindlichen Räume nicht zu hoch. Mit dieser Konstruktionsart kann die Spannweite des Dachs ausgedehnt werden, sodass der Dachstuhl in bewährter Dreiecksform auch bei größeren Gebäuden möglich wird. In der Regel befindet sich auch hier ein Dreiecksgiebel an den Stirnseiten des Hauses, der entweder nachträglich zwischen die Diagonalbalken eingebaut wird und dem Dach zusätzlich Stabilität verleiht oder der bereits vorgemauert ist. Dächer, die auch an der Stirnseite geneigte Dachflächen besitzen, heißen Walmdächer.

 

Pfettendach

PfettendachDas Pfettendach kann unabhängig vom Grundriss über jedem Wohnhaus errichtet werden. Auch die Bedeckung großräumiger Häuser ist mit dieser Konstruktion möglich. Hierbei stützen sich die Sparren nicht gegenseitig, sondern liegen auf Längsbalken auf. Ein Pfettendach in Form eines Satteldachs verfügt über fünf solcher Längsbalken, die Pfetten genannt werden: eine Firstpfette, zwei Mittel- und zwei Fußpfetten. Sie nehmen die gesamte Dachlast auf. Auf diesen, mit dem Mauerwerk des Giebels verbundenen Pfetten werden die Sparren aufgebracht. Auch dieses Dachgerüst bildet grundsätzlich eine Dreiecksform, wobei die Stützfunktion jedoch den Längsbalken und nicht (wie beim Sparrendach) den Diagonalbalken zukommt. Die Sparren der gegenüberliegenden Dachflächen können auch versetzt angebracht werden, weil diese sich nicht gegenseitig stützen müssen.

 

Binderdach

BinderdachEin Binderdach ist ein vorgefertigtes Dachgerüst aus Holzbindern, das komplett oder teilweise im Abbundwerk gefertigt wird. Mittels Kran werden die Konstruktionsteile auf den Rohbau des Hauses aufgesetzt. Dächer mit großer Spannweite sind durch diese Fertigteilgerüste möglich. Die Verbindung zum Außenmauerwerk erfolgt mittels Ringanker. Somit können die Bauherren zeitsparend, ohne zusätzliche Maurerarbeiten ein Dachgerüst montieren, das sich für Garagen, große Hallen, aber auch für Wohngebäude eignet und nur noch eingedeckt werden muss. Zusätzliche Stützbalken werden beim Binderdach nicht benötigt.

 

Alle genannten Konstruktionsarten finden im Prinzip für jedes bekannte Dachformat Verwendung. Zwar könnte der Laie denken, mit den vorgestellten Gerüstarten wären nur Satteldächer in Dreiecksform möglich, denn wie sollen mit dieser Bauweise Mansarden-, Pyramiden- oder Walmdächer mit Gauben (Schweizerisch: Lucarne), Graten und Kehlen sowie verwinkelte Dächer mit Türmchen errichtet werden? Der Fachmann sagt dazu: "Alles ist möglich. Es kommt auf die Planung und das handwerkliche Geschick der ausführenden Spezialisten an." Haben Sie noch Fragen? Dann wenden Sie sich bitte telefonisch oder per Mail an uns, wir helfen Ihnen gern.

 

 

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