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AktionshausDer Immobilienboom hat die Preise in die Höhe schnellen lassen, sodass ein Aktionshaus auf den ersten Blick durchaus verlockend sein kann. Potenzielle Bauherren, insbesondere Durchschnittsverdiener, sollten sich jedoch nicht von günstigen Angeboten blenden lassen. Denn auch beim Hausbau gilt: Wer billig kauft, zahlt häufig drauf – auch wenn teuer nicht immer gut sein muss, hat Qualität natürlich ihren Preis. Gerade bei auffallend günstigen Offerten ist Vorsicht geboten, denn oft entstehen für jedes „Extra“ zusätzliche Kosten, sodass der Hausbau zum Aktionspreis schnell zur Kostenfalle werden kann.

Nicht an der falschen Ecke sparen

Da auch ein Bauunternehmen für Lohn, Miete bzw. Pacht, Versicherungen und andere Ausgaben aufkommen muss, ist bei regelrechten Dumpingpreisen Skepsis angebracht. Innerhalb der Branche bewegen sich viele Ausgaben in einer ähnlichen Preisklasse, daher gehen Angebote für ein besonders günstiges Eigenheim häufig mit einer schlechteren Leistung einher. Wenn es um die eigenen vier Wände geht, sollten sich künftige Bauherren eingehend darüber informieren, welche Leistungen wirklich notwendig und sinnvoll sind, um böse Überraschungen zu vermeiden.

So sollte etwa bereits die Wahl der Baumaterialien wohlüberlegt sein, da Bauherren andernfalls beispielsweise Abstriche bei Fensterdichtungen machen müssen oder im Nachhinein Mängel hinsichtlich der Gebäudehülle feststellen. Gerade bei Fenstern bietet ein hochwertiger Wärmedurchgangskoeffizient über die Jahre hinweg zudem enormes Energiesparpotenzial, sodass es sich lohnt, von vorneherein auf Qualität zu setzen. In vielen Fällen zeigt sich ein qualitätsbedingter Mangel erst nach zehn Jahren oder später – meist also nach Ablauf der Gewährleistungsfrist. Wer ein Haus günstig bauen, jedoch keine Abstriche hinsichtlich des Leistungsumfangs machen möchte, sollte idealerweise einen Baufachmann hinzuziehen.

Das ist zu beachten – Tipps für Bauherren

Sobald die Überlegungen zum Hausbau konkreter werden, sollten sich Bauinteressierte über die Unterschiede zwischen einem Verkaufsgespräch und einer ordentlichen Bauberatung informieren. Um nicht auf Lockangebote hereinzufallen, ist es insbesondere für Laien außerdem empfehlenswert, bereits die Planung fachmännisch in Auftrag zu geben, um eine vollumfängliche Überwachung sicherzustellen.

Idealerweise sollten Bauherren folgende Aspekte bei ihren Überlegungen berücksichtigen:

  • Referenzen
    Architekten und Handwerker sowie Subunternehmer sollten die eigene Fachexpertise bzw. die ihrer Mitarbeiter nachweisen können.
  • Faire Bezahlung
    Ein Entgelt weit unter dem Mindestlohn spiegelt sich meist auch in mangelndem Engagement der Mitarbeiter wider. Daher sollten Bauherren hier die Augen offen halten, um Mängel infolge einer dürftigen Arbeitsmotivation zu vermeiden.
  • Bauüberwachung
    90 Prozent aller gemeldeten Baumängel zeigen sich während des Hausbaus sowie innerhalb der ersten fünf Jahre nach Fertigstellung, daher sollte hier nicht gespart werden. Die Kosten für eine zuverlässige Überwachung belaufen sich auf etwa ein bis zwei Prozent der Bausumme.
  • Mängel festhalten
    Über vermeintliche Kleinigkeiten hinwegzusehen, kann Bauherren teuer zu stehen kommen. Jegliche Mängel sollten (vor der Abnahme) stets schriftlich festgehalten werden.
  • Ablenkungsmanöver erkennen
    Liegt der Fokus im Beratungsgespräch auf dem günstigen Preis, sollten sich Bauherren die Frage stellen, ob es sich hierbei um ein Ablenkungsmanöver handeln könnte. Hausverkäufer lassen sich mitunter sogar über hohe Preise für den Hausbau aus und versuchen, das Vertrauen potenzieller Bauherren durch tendenziell persönlichere Gespräche zu gewinnen.
  • Objektivität und Seriosität
    So verlockend Angebote für den Hausbau zum Aktionspreis auch sein mögen: Bauinteressierte sollten vom Wissen eines Experten und einer produktneutralen Beratung profitieren können. Ein seriöser Bauberater informiert unabhängig und bietet keine Spottpreise, aber dafür die Möglichkeit, das Eigenheim sowie die Ausstattung den persönlichen Wünschen entsprechend zu gestalten.
  • Eigene Ansprüche klar definieren
    Einige Details (z. B. die Wohnfläche oder Bauweise) sollten bereits im Vorfeld festgelegt werden. Ein Aktionshaus wird in der Regel stark beworben, doch erst das anschließende Beratungsgespräch schafft Klarheit hinsichtlich der Leistungen und zeigt, welche Materialien und Ausstattungen tatsächlich inbegriffen sind. Hier bieten sich Bauunternehmen viele Möglichkeiten, um den Preis zu drücken. Gerade Laien ist häufig nicht bewusst, dass auch fehlende Punkte folgenschwere Konsequenzen haben können – die Firma ist zu keiner Leistung verpflichtet, die nicht vertraglich festgehalten ist.
  • Kostenersparnis durch Eigenleistungen
    Sind Bauherren ein wenig geschickt, müssen einige Arbeiten nicht unbedingt von einer Firma übernommen werden – zumindest den finanziellen Aufwand für das Streichen durch einen Malerbetrieb können sich Häuslebauer meist sparen. Bei Eigenleistungen sollten Bauinteressenten allerdings vorher  genau prüfen, ob sie die geplanten Tätigkeiten auch wirklich fachgerecht auszuführen in der Lage sind.
  • Einen Architekten hinzuziehen
    Ein Experte kann mitunter schon bei der Grundstücksauswahl eine große Hilfe sein, darüber hinaus bzgl. möglicher Einsparungen informieren und diese Aspekte entsprechend bei der Planung berücksichtigen.

Achtung: Häufig Mängel im Bauvertrag

Aufgrund des Zeit- und Kostendrucks nehmen einige Baufirmen eventuelle „Kollateralschäden“ in Kauf. Über 20 Prozent aller Baumängel werden bereits während der Bauphase festgestellt – und nahezu jeder Bauvertrag ist mangelhaft. Häufig ist Bauherren nicht bewusst, welcher Leistungsumfang tatsächlich vertraglich festgelegt ist. Fehlen Bauinteressierten gewisse Fachkenntnisse, kann das zum Verhängnis werden, da es oftmals zu Nachträgen kommt, die mit erheblichen Kosten verbunden sind; Nachfinanzierungen wiederum sind kostenintensiver als das eigentliche Darlehen. Einige Baumängel mögen auch einem Laien auffallen, doch die weit häufiger verbreiteten Mängel an Bauteilen sind in der Regel nur für einen Fachmann sichtbar. Der „Pfusch“ zeigt sich oftmals erst zu spät – meist, wenn die Gewährleistungsfrist bereits abgelaufen ist.

Vorsicht beim Eigenheim zum Schnäppchenpreis

Mit dem Hausbau zum Aktionspreis zielen Baufirmen vor allem auf einen möglichst schnellen Vertragsabschluss ab. Leider fallen viele Bauherren auf diese Masche herein und entscheiden sich aufgrund der vermeintlichen finanziellen Vorteile für ein Aktionshaus. Hier verleiten beispielsweise äußerst geringe Hausbaukosten oder diverse Zusatzleistungen zu einem übereilten Vertragsabschluss. Natürlich sind preiswerte Angebote nicht per se zu verteufeln, doch gerade „echte Schnäppchen“ können am Ende zu bösen Überraschungen und erheblichen Mehrkosten führen.

Für langfristige Qualität sollten Bauherren nicht nur rechtzeitig und vorausschauend planen, sondern auch nicht zu knapp kalkulieren. Mithilfe fachkundiger, unabhängiger Bauberater finden sich meist eine ganze Reihe enormer Einsparpotenziale beim Hausbau. Somit ist es durchaus möglich, den Traum vom Eigenheim günstig zu realisieren – ohne dabei Abstriche bei der Qualität machen zu müssen.

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