ZBO - Zentrale Bau Organisation

HOAI 2013Am 7. Juni 2013 wurde die neue Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vom Bundesrat verabschiedet und ist am 17. Juli 2013 in Kraft getreten. Damit ging ein vierjähriges aufwändiges Verfahren zu Ende, in dessen Verlauf es zahlreiche Abstimmungsprozesse zwischen den beiden beteiligten Ministerien (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) und den Berufsverbänden der Architekten und Interessenvertretern der Bauherren gegeben hat. Wir stellen Ihnen vor, was sich für Architekten und Bauherren geändert hat. Die HOAI richtet sich neben Architekten auch an Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten sowie Stadtplaner, an dieser Stelle soll jedoch nur auf die den Tätigkeitsbereich der Architekten betreffenden Änderungen eingegangen werden, die im § 33 HOAI (Gebäude und Innenräume) dargestellt sind.

Die wesentlichen Veränderungen betreffen die Benennung und inhaltliche Aktualisierung der Leistungsbilder (Beispiel: „Gebäude und Innenräume“ anstelle von „Gebäude und raumbildende Ausbauten“), die Erhöhung der Honorare sowie der Honorierung der Architektenleistungen, die im Zusammenhang mit Bestandsbauten erbracht worden sind.

 

Änderungen im Leistungsbild „Gebäude und Innenräume“ (HOAI 2013)

Die neue Fassung der HOAI ersetzt durchweg den Begriff „raumbildender Ausbau“ durch die Formulierung „Innenräume“. Für einen Laien erschließt sich der Unterschied nur schwer: Der „raumbildende Ausbau“ war ein künstliches Wortkonstrukt, das so nur in der HOAI 2009 verwendet wurde. Dabei ging es um den Ausbau eines Gebäudes durch üblicherweise raumbegrenzende Bauelemente wie Decken, Böden und Wände. Da das Errichten eines Gebäudes an sich schon raumbildend ist, musste darunter auch eine Ausbauleistung verstanden werden. Es war also nicht nur die Raumbildung, sondern auch die Raumgestaltung gemeint.
Innenräume können jedoch sowohl in der Zusammenfassung mit einem Gebäude ein Objekt bilden als auch im Rahmen der Einrichtungsplanung ein für sich stehendes Objekt darstellen. Die Neufassung der HOAI trennt die Leistungen für Innenräume deutlich von denen von Gebäuden ab: Sie beinhaltet durch die Formulierung „ohne wesentliche Eingriffe in Bestand oder Konstruktion“ ausdrücklich keine Modernisierungen, Instandhaltungs- oder Instandsetzungsarbeiten, sondern nur deren Erstellung oder Gestaltung. So wird auch dem Laien die genaue Zuordnung von Leistungen und den damit verbundenen Kosten erleichtert und für mehr Transparenz gesorgt.

Der Katalog der Grundleistungen in den einzelnen Leistungsphasen wurde um neue Grundleistungen ergänzt. Das bedeutet für Architekten einen erheblich größeren Aufwand, der sich in höheren Honoraren und einer Verschiebung der prozentualen Gewichtung der einzelnen Leistungsphasen niederschlägt.

Der Umfang der sog. „Besonderen Leistungen“ wurde deutlich vergrößert. Bereits in der Leistungsphase 1 (Grundlagenermittlung) wurden zehn weitere Kriterien wie z. B. die Bedarfsermittlung, die Bedarfsplanung oder die Mitwirkung bei der Grundstücks- und Objektauswahl, -beschaffung und –übertragung hinzugefügt. Auch in fast allen anderen Leistungsphasen wurde der Umfang der „Besonderen Leistungen“ erweitert oder aktualisiert. Die Honorare hierfür sind nach wie vor frei verhandelbar.

 

Änderungen hinsichtlich der Honorare

Die Tabellenwerte der Honorare wurden im Vergleich zur HOAI 2009 zum Teil erheblich erhöht. Die Erhöhung liegt zwischen 0,7 % und 45,83 % und fällt im unteren Bereich der anrechenbaren Kosten deutlicher höher aus als im oberen.

Durch die Aufnahme neuer Leistungen in den Katalog der Grundleistungen haben sich bei den Leistungsphasen Verschiebungen hinsichtlich ihrer jeweiligen Gewichtung ergeben. Dadurch wurden einzelne Leistungsphasen auf-, andere dagegen abgewertet. Zur Verdeutlichung werden hier die neuen den vorherigen Prozentsätzen gegenübergestellt:

  • HOAI Leistungsphase 1  (Grundlagenermittlung)
    je 2 % für Gebäude und Innenräume (statt 3 %)

  • HOAI Leistungsphase 2 (Vorplanung)
    je 7 % für Gebäude und Innenräume

  • HOAI Leistungsphase 3 (Entwurfsplanung)
    15 % für Gebäude und Innenräume (statt 11 %)

  • HOAI Leistungsphase 4 (Genehmigungsplanung)
    3 % für Gebäude, 2 % für Innenräume (statt 6 %)

  • HOAI Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung)
    25 % für Gebäude, 30 % für Innenräume (statt 25 %)

  • HOAI Leistungsphase 6 (Vorbereitung der Vergabe)
    10 % für Gebäude, 7 % für Innenräume (statt 10 %)

  • HOAI Leistungsphase 7 (Mitwirkung bei der Vergabe)
    4 % für Gebäude, 3 % für Innenräume (statt 4 %)

  • HOAI Leistungsphase 8 (Objektüberwachung)
    32 % für Gebäude und Innenräume (statt 31 %)

  • HOAI Leistungsphase 9 (Objektbetreuung)
    je 2 % für Gebäude und Innenräume (statt 3 %)

 

Honorare nach HOAI für Leistungen an Bestandsbauten

Während in der HOAI für Leistungen bei einem Umbau oder einer Modernisierung noch ein Zuschlag von bis zu 80 % vereinbart werden konnte, ist dessen Höhe nun bei Innenräumen auf 50 % und bei Gebäuden auf 33 % des ermittelten Honorars begrenzt. Die HOAI 2009 sah außerdem vor, dass bei einer fehlenden schriftlichen Vereinbarung automatisch ab der Honorarzone II ein Zuschlag von 20 % berechnet wird. Diese Regelung ist in der neuen Fassung der HOAI nicht mehr enthalten.

Die „mitzuverarbeitende Bausubstanz“ wurde wieder eingeführt und in die Kostenstruktur eingearbeitet. Damit sind bereits vorhandene Gebäudeteile gemeint, die in die Umbau- oder Modernisierungsmaßnahme mit einbezogen werden sollen. Die mitzuverarbeitende Bausubstanz soll nun angemessen im Rahmen der anrechenbaren Kosten berücksichtigt werden und ist in die Kostenschätzung objektbezogen zu integrieren. Ihr Wert muss schriftlich festgehalten werden.
Experten gehen davon aus, dass sich die Kostenerhöhung bei den Zuschlägen durch die Berücksichtigung der mitzuverarbeitenden Bausubstanz praktisch aufhebt, Bauherren hier also keine Kostensteigerungen zu befürchten haben.

Im neuen § 10 wird erstmals geregelt, wie bei einem vertraglich veränderten Leistungsumfang verfahren werden soll. Danach kann der Leistungsumfang während der Vertragslaufzeit geändert oder Grundleistungen wiederholt erbracht werden. In diesen Fällen sind die geänderten Absprachen schriftlich zu fixieren und das Honorar entsprechend des Leistungsumfangs anzupassen.

 

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