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Energetische BerechnungenEine energetische Berechnung befasst sich mit der Ermittlung des Nutz-, End- sowie Primärenergiebedarfs zum Kühlen, Heizen, für die Beleuchtung und die Warmwasserbereitung eines Hauses. Sie wird in einem nach der DIN V 18599 genormten Verfahren durchgeführt und muss den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) entsprechen. In der EnEV sind die energetischen Mindestanforderungen an Gebäude formuliert, da auf diese etwa 35 % des Endenergieverbrauchs entfallen, hier also ein größeres Einsparpotenzial gesehen wird. Seit 2009 müssen alle neu errichteten Gebäude erneuerbare Energien für die Wärmeversorgung einsetzen. Ausnahmsweise können alternative klimaschonende Maßnahmen wie z. B. eine stärkere Gebäudedämmung oder die Wärmegewinnung aus Kraft-Wärme-Kopplung durchgeführt werden. Mit dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) zum 1.1.2009 wurde darüber hinaus festgelegt, dass spätestens 2020 der Anteil der erneuerbaren Energien an der erzeugten Gebäudewärme bei 14 % liegen muss.

 

Energetische Berechnung - worum es geht:

Um zu verstehen, worum es hierbei genau geht, sollten zunächst die unterschiedlichen Energiearten erläutert werden:

  •  Primärenergie ist diejenige Energiemenge, die durch fossile oder regenerative Energiequellen oder Kernspaltung bereitsteht. Dazu zählen neben Erdöl, Erdgas, Braun- und Steinkohle auch Wasser, Wind und Sonnenlicht sowie Kernenergie.

  • Nachdem die Primärenergie umgewandelt und zum Verbraucher übertragen wurde, kommt bei ihm am Hausanschluss die Endenergie an. So kann z. B. aus Rohöl (=Primärenergie) Heizöl (=Endenergie) oder aus Holz (=Primärenergie) Holzbrennstoff (=Endenergie, z. B. Pellets) hergestellt werden.

  • Aus der Endenergie wird die Nutzenergie erzeugt, die für den Endverbraucher bereitgestellt wird, um dessen Bedürfnisse zu befriedigen. So wird z. B. aus dem o. g. Heizöl oder den Pellets die Nutzenergie Wärme erzeugt. Andere Formen der Nutzenergie sind Licht, chemisch gebundene Energie (z. B. in Batterien), mechanische Energie (z. B. erzeugt durch Wasser in Pumpspeicherwerken) und Signalenergie. Bei der Umwandlung von End- in Nutzenergie kommt es immer zu Verlusten.

 

Energetische Berechnung und Referenzgebäudeverfahren

Eine energetische Berechnung gem. EnEV 2009 erfolgt auf der Basis des sog. Referenzgebäudeverfahrens. Unter einem Referenzgebäude versteht man einen Neubau, der mit dem neu gebauten oder noch zu bauenden Eigenheim vergleichbar ist.

Bei den im Zuge der energetischen Berechnung zu ermittelnden Daten steht der Jahres-Primärenergiebedarf im Vordergrund:
Er wird mit dem eines Referenzgebäudes verglichen und prozentual ausgedrückt. Dabei ist er umso besser, je kleiner dieser prozentuale Betrag ausfällt. Der ermittelte Wert ist maßgeblich, wenn der Bauherr Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beanspruchen möchte. Diese Förderungen werden an der Energieeffizienz des Hauses ausgerichtet. Die KfW teilt ihre Förderungen in sog. Förderstufen ein, deren Bezeichnung sich an dem ermittelten Jahres-Primärenergiebedarf anlehnt (KfW 40, KfW 55, KfW 70).

Daneben ist auch der Wärmedurchgangskoeffizient eine wichtige Größe:
Er beschreibt, wie groß der Wärmeverlust ist, den das Gebäude durch ein Bauteil erleidet und wird in W/(qm K) ausgedrückt. Die EnEV sieht diese Messungen an mehreren namentlich genannten Bauteilen vor.

Bei Gebäuden, deren Bau oder Sanierung vor dem 1.1.2009 durchgeführt wurde, wurden die EnEV 2007 oder auch die vorangegangenen Vorschriften für die energetische Bewertung des Gebäudes herangezogen. In diesen älteren Verordnungen galten für die Festlegung des Effizienzhaus-Standards die Grenzwerte für die Primär- und Endenergie.

 

Wer die energetische Berechnung ausführt

Die energetische Berechnung wird von einem Experten durchgeführt und basiert auf einem komplizierten Berechnungsmodell, das im Kern auf einer Software des Fraunhofer Instituts für Bauphysik beruht. Soll das Ergebnis der energetischen Berechnung die Basis für einen KfW-Förderantrag sein, ist unbedingt auf die Auswahl dieses Experten zu achten: Es muss sich entweder um einen Energieberater handeln, der im Zusammenhang mit einem der Bundesprogramme „Vor-Ort-Beratung“ oder „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ zugelassen wurde oder aber um einen sog. ausstellungsberechtigten Experten gem. § 21 EnEV.

 

 

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